Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274866
402 
Buch. 
Kapitel. 
Sienesen. 
Die 
verheirathet und einige Jahre ruhig lebt. In diese Zeit fällt wahr- 
scheinlich das aus S. Francesco in die Akademie übergegangene 
Freskobild des Erlösers an der Martersäule, ein Werk von ergreifendem 
Ausdruck und trefflicher Farbenwirkung.  
Zum zweiten Male wurde Sodoma nach Rom berufen, um für 
Agostino Chigi die Farnesina mit Fresken zu schmücken. Dies war 
im Jahre 1513, als Rafaefs Arbeiten im Vatikan schon weit genug 
fortgeschritten waren, um einen bedeutenden Eindruck auf Sodoma zu 
machen. Er nahm, so weit es seine Natur zuliess, diese Einflüsse in 
sich auf und entwickelte im Wetteifer mit dem Urbinaten seine Kunst 
zu lauterster Schönheit. Der Wohllaut in den Linien jugendlicher 
Gestalten, die süsse an Lionardo erinnernde Holdseligkeit der Köpfe, 
dazu das weiche und zugleich strahlende Kolorit verleihen den Werken 
dieser Zeit einen unvergleichlichen Zauber, so dass man die damit 
verbundenen Mängel, die Schwäche der Composition und namentlich 
die schlaffe Stillosigkeit der Gewänder darüber leicht vergisst. Von 
den beiden Darstellungen in einem der oberen Zimmer der Farnesina 
aus der Geschichte Alexanders trägt die Vermählung mit der Roxanc 
den Preis davon. (Fig. 94.) Die Darstellung folgt genau der Schilde- 
rung, welche Lucian von einem Gemälde Aötion's giebt. Der Blick 
fallt in ein reiches Gemach, in welchem man auf dem prachtvollen 
Hochzeitbett Roxane mit dem süssen Ausdruck jungfräulicher Verwir- 
rung sitzen sieht, während zwei Eroten wetteifern, ihr die Sandalen 
zu lösen und ein dritter sie von ihrem Gewande zu befreien sucht. 
Der jugendlich schöne Alexander naht mit zartem Ausdruck der Ver- 
ehrung, um ihr die Krone darzureichen. Zwei Amoretten begleiten ihn, 
von denen der eine ihn am Mantel vorwärts zieht, während der andere 
hinter ihm am Boden kniet. In einiger Entfernung folgt ihm sein 
Freund Hephästion mit der Hochzeitsfackel in der Hand, im Antlitz 
schwärmerisch innige Theilnahme. Er stützt sich auf die Schulter des 
Hymenaus, der, fast unbekleidet, an Schönheit der Gestalt und strah- 
lender Jugendherrlichkeit des Kopfes wohl die vollkommenste Gestalt 
ist, welche Sodoma je geschaffen. Hinter ihm bilden mehrere Liebes- 
götter den Abschluss, die mit den Waffen des Helden ein übermüthiges 
Spiel treiben, tanzen und Purzelbaume schlagen. Daneben öffnet sich 
der Blick in eine poetische Gebirgslandschaft. Auf der andern Seite 
des Bildes sieht man die Dienerinnen beschäftigt den Vorhang des 
Bettes zu lösen und sich zu entfernen, um die Glücklichen allein zu 
lassen. Auch hier wird die Schönheit der Gestalten freilich durch die
        

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