Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274829
398 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
Die 
SiBIIESOII. 
Ablauf seiner Lehrzeit 1498 wahrscheinlich dorthin. In der Persön- 
lichkeit und den grossartigen Schöpfungen Li0nardo's ging ihm ein 
neues Licht auf, aber schon im folgenden Jahre wurde durch den Ein- 
fall der Franzosen das Kunstleben Mailands für längere Zeit zerrüttet. 
Es war ein Glück für den jungen Künstler, dass er in jenen Tagen 
dort mit Vertretern des Handelshauses Spannochi bekannt wurde, die 
von seiner angenehmen Erscheinung und seinem geistreich ausgelassenen 
Wesen so eingenommen wurden, dass sie ihn nach Siena einluden. Er 
folgte diesem Rufe und trat mit dem Jahre 1500 in den neuen Schau- 
platz seines Wirkens ein. Sein bewegliches Talent, die lebendige 
Anmuth seiner Erscheinung und seiner Kunst verschafften ihm schnell 
Anerkennung und Aufträge.   
Schon im Jahre 1503 erhielt er den Auftrag, im Kloster S. Anna 
in Creta bei Pienza das Wunder der fünf Brode und zwei Fische im 
Refectorium in Fresken darzustellen. Die Arbeit, für die er die Summe 
von zwanzig Goldscudi erhielt, ist noch sehr dilettantisch und verräth 
in keinem Zuge des flüchtig hingeworfenen Werkes die spätere Meister- 
schaft des Künstlers. Eine weit umfassendere Aufgabe ward ihm bald 
darauf (1505) in den Wandgemälden zu Theil, mit welchen er im 
Kreuzgange des Klosters von Monte Oliveto bei Siena den sieben 
Jahre vorher von Signorelli (I, 406) begonnenen Freskencyklus ab- 
zuschliessen hatte. Es sind Sccnen aus dem Leben des h. Benedikt, 
nicht weniger als 26 Bilder, in welchen der Anfang und Schluss der 
Legende dargestellt ist. Der junge Künstler lässt sich hier in der 
raschen Freskotechnik leicht und locker gehen, zeigt manchmal in 
straffen Kriegergestalten den Einiiuss der nervigen Kunst Signorellfs, 
erinnert dann wieder an Lionardo's Liebreiz, verräth aber im Ganzen 
grosse Ungleichheit und fahrige Flüchtigkeit der Behandlung, die sich 
sowohl in der lockeren Composition wie in den Mängeln der Zeichnung 
und der kecken Leichtfertigkeit der Ausführung zu erkennen giebt. Im 
Einzelnen sind dann wieder köstliche Züge naiver Anmuth und hin- 
reissender Schönheit. Dabei reiche landschaftliche Hintergründe voll 
Poesie. Zu den besten Bildern gehören St. Benedikts Abreise, seine 
Einkleidung (Fig. 93), die versuchte Verführung der Mönche durch 
schöne Mädchen, die Aufnahme der Knaben Maurus und Placidus in's 
Kloster und endlich der Sturm der Longobarden auf Monte Cassino, 
wo in der leidenschaftlichen Energie der Darstellung Signorcllfs Geist 
waltet. Weitaus das edelste unter seinen dortigen Werken ist aber 
der kreuztragende Christus an einem Pfeiler des Klosterhofes, ein Werk
        

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