Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274775
Neuntes 
Kapitel. 
Die 
Sienesen. 
Dass die Kunst Siena's in ihrer Blüthe ausschliesslich an's Mittel- 
alter geknüpft war, sahen wir schon im vorigen Abschnitt. Mit dem 
Absterben jener Epoche siechte vor allem die Malerei dahin, und wäh- 
rend des ganzen 15. Jahrhunderts, obwohl auch hier Architektur und 
Plastik dem Antrieb der Renaissance mit freiem Zuge folgten, ver- 
mochte die Malerei sich nicht zu neuer Bedeutung aufzuschwingen. Als 
nun mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts sowohl von Florenz wie von 
Rom aus die Erscheinungen einer neuen grossen Kunst die Welt mit 
Staunen und Bewunderung erfüllten, drangen einzelne Strahlen dieses 
Glanzes auch nach Siena" und regten die dortigen Künstler zu edlem 
Wetteifer an. Allein die Mehrzahl unter ihnen vermochte sich nicht 
ganz aus den alterthümlichen Anschauungen zu befreien, und so ent- 
stand ein Gemisch verschiedener stilistischer Einwirkungen und ein- 
heimischer Traditionen, welches eine grosse Kunstentwioklung aus einem 
Guss verhinderte. Nur Peruzzi erhob sich zu einem freien edlen Stile, 
hauptsächlich weil es ihm vergönnt war, die Weltbühne Roms aufzu- 
suchen und dort im Wetteifer mit den grössten Meistern zu wirken. 
In Siena selbst wurde das Bedeutendste auch jetzt wieder von einem 
fremden Künstler ausgeführt, und was in der vorigen Epoche der 
Umbrier Pinturicchio für die Stadt gewesen war, das wurde jetzt der 
Lombarde Sodoma, nur mit dem Unterschiede, dass er durch längeres 
Verweilen und feste Ansiedlung in Siena das Gepräge der dortigen 
Kunst ganz anders bedingte als jener ehemals vermocht. Daher weisen 
wir ihm in unserer Betrachtung seine Stelle unter den Sienesen an. 
Unter den Künstlern, welche überwiegend noch alterthümliche 
Anklänge zeigen, ist zunächst Giacomo Pacchiarotti f) zu nennen, der 
schon deshalb genauer in's Auge gefasst werden muss, weil ihm lange 
Zeit durch Verwechselung mit dem viel bedeutenderen Girolamo del 
 G. Milcmesi, documenti per 1a storia delP arte Senese, Siena 1854. Tom. 
II. u. III.  Orowe und Cavalcaselle, III, 373 ff., in Jordavfs Ausgabe IV, 395 ff,
        

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