Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274751
Dossi. 
Dosso 
Mazzolino. 
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Landschaft; auch David mit dem Haupte des Goliath, unter dem sich 
aber wahrscheinlich ein Ritter aus Ari0st's Orlando birgt (X, 13), dort 
fälschlich dem Giorgione zugetheilt, verräth die viel modernere Technik 
Dosso's. In seinen späteren Werken findet man oft das Monogramm 
eines von einem Knochen durchbohrten D (ndbssoa); so in einem ge- 
waltigen Mannweib der Gal. Doria, in Welcher vielleicht Bradamante 
oder eine andere Heldin aus dem Orlando furioso dargestellt ist. Mit 
poetisch heitrem Sinn endlich betritt Dosso das Gebiet des Genre in 
den ovalen Dekorationsbildern musizirender, schmausender und trinken- 
der Männer und Frauen in der Galerie zu Modena. Ebendort befinden 
sich mehrere tüchtig gemalte Porträts von Persönlichkeiten des ferra- 
resischen Hofes. 
Endlich hat Dosso im Castell von Ferrara, unterstützt von seinem 
Bruder und von seinen Schülern, mehrere Gemächer mit Gemälden 
geschmückt. Besonders bemerkenswerth ist die Sala del consiglio mit 
reich bemalter Decke, und die Sala dell' Aurora mit den vier Tages- 
zeiten, namentlich der berühmten Aurora. Alle diese Werke neigen 
aber schon stark zum Manierismus. Auch nach Trient wurde Dosso 
berufen, um das fürstbischöfliche Schloss mit Gemälden zu schmücken. 
In den farbenprächtigen Deckenmalereien eines ovalen Zimmers darf 
man seine Hand erkennen. 
Endlich möge hier Lodovico Mazzolino angeschlossen werden, der 
allerdings unter den Ferraresen am wenigsten von Rafael berührt wird, 
vielmehr bei grosser Farbenpracht den heiteren dekorativen Sinn und 
den naiven Realismus der älteren Schule mit einer gewissen Phantastik 
in die neue Zeit hinüber trägt, und damit oft in seltsamer Weise einen 
reineren Stil in Gewändern und sonstigem Aussenwerk zu verbinden 
sucht. In Ferrara 1.481 geboren, machteauch er die Schule des Lo- 
renzo Costa durch, hielt aber besonders an der scharfen Formbezeich- 
nung der Paduaner fest, womit er eine venezianische Gluth des Kolorits 
zu verbinden weiss. Dazu gesellt sich oft in alterthümlicher Weise die 
Vorliebe für reichen Goldschmuck. Seine kleinen miniatilrartig aus- 
geführten Bilder sind Wahre Juwele an Leuchtkraft und zierlicher 
Vollendung. 
Am reichsten ist der Künstler im Museum zu Berlin vertreten. 
Ein frühes Bild vom Jahre 1509 ist der unter Nr. 275 aufgestellte 
Flügelaltar, welcher im mittleren Theile die thronende Madonna und 
auf den Flügeln den h. Antonius und Magdalena zeigt; ein tüchtiges 
Werk von etwas alterthümlicher Schärfe, bei leuchtender Färbung.
        

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