Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274732
Dosso Dossi. 
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nachgefolgt sei; denn um 1505 konnte Venedig einem Maler wohl 
Bedeutendes bieten, Rom dagegen gewann erst seit 1508 und mehr 
noch in den folgenden Jahren Anziehungskraft für die jüngere Generation. 
In grossen Altarbildern wetteifert Dosso mit Garofalo und erreicht 
nicht selten eine feierliche Schönheit des Aufbaus, verfällt aber dabei 
manchmal in geschmacklose und triviale Einzelheiten, über die indessen 
die wunderbare Herrlichkeit seines Kolorits hinweghilft. Er setzt in 
grossen Massen ungebrochene Farben von intensivster Kraft neben- 
einander und weiss sie durch feine Uebergänge und wohlabgewogenes 
Helldunkel harmonisch zu verbinden. Ausser den kirchlichen Bildern 
hat er auch Genrescenen, Landschaften und mythologische Darstel- 
lungen geschaffen, in welchen er sich recht eigentlich zu Hause fühlt 
und oft eine poetische, bisweilen auch eine phantastische Stimmung 
zum Ausdruck bringt. Im Ganzen kreuzen sich bei Dosso so viele 
Einflüsse, dass er dem rafaelischen Stil bei weitem nicht so unmittelbar 
sich anschliesst, wie Garofalo. 
Sein bewundertes Hauptwerk ist die fünf Meter hohe und fast 
eben so breite Altartafel, welche in sechs Abtheilungen ehemals den 
Hochaltar in St. Andrea schmückte und jetzt im Ateneo zu Ferrara 
aufbewahrt wird. Das Mittelbild (Fig. 91) stellt auf hohem Throne, 
zu dessen Füssen der jugendliche Johannes sitzt, die Madonna mit 
dem Christuskinde dar. Zu beiden Seiten sieht man St. Hieronymus, 
Andreas und Johannes den Evangelisten, auf den Seitenflügeln oben 
Augustinus und Ambrosius, unten Sebastian und Georg, in der Mitte 
über dem Hauptbilde den auferstandenen Christus. Eine unvergleich- 
lich strahlende Farbenpracht berauscht das Auge, und eine Fülle von 
Schönheit und Würde ist über die Gestalten ausgegossen. In der 
Madonna glaubt man Einflüsse Lionardds und selbst Correggids zu 
erkennen; der Auferstandene ist von jugendlicher Schönheit, aber nicht 
eigentlich von idealer Hoheit. Ohne Zweifel gehört das Werk zu den 
imposantesten Schöpfungen dieser grossen Zeit. In derselben Samm- 
lung sieht man eine Verkündigung des Meisters, die wohl ein früheres 
Bild ist und in feinerer Anmuth mit Garofalo wetteifert. Ebendort 
der Evangelist Johannes in apokalyptischen Visionen, nicht ganz frei 
in der Bewegung und im Ausdruck der Ekstase, aber von prachtvoller 
Farbenwirkung und durch eine poetische Landschaft ausgezeichnet. 
Das saftig-grüne Kleid, der rosenfarbene lllantel bilden, unterstützt von 
dem tiefen Ton der Landschaft, die Hauptelemente in dem glänzenden 
Farbenaccord.
        

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