Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274703
386 
Buch. 
III. 
VIII, 
Kapitel. 
Nachfolger RafaePs. 
und 
Schüler 
das Gebet Christi zu Gethsemane, im Ausdruck mild und fein, wenn 
gleich etwas modern empfunden, aber von prachtvollem Kolorit. 
Vom Jahr 1539 sieht man im Museum zu Berlin unter Nr. 255 
eine Himmelfahrt Christi, welche mit der Auferstehung und der Aus- 
giessung des h. Geistes ehemals einen Altar in S. Antonio zu Ferrara 
schmückte. Dieselbe Sammlung besitzt noch zwei Darstellungen der 
Anbetung der Könige und eine Bestattung Christi, letztere besonders 
in rafaelischer Weise componirt, endlich noch ein kleines Bild der 
Verkündigung. Eins der vorzüglichsten Werke des Künstlers aus 
seiner besten Zeit ist sodann die grosse Grablegung in der Galerie 
Borghese zu Rom, von kraftvoll tiefer Farbe, aber etwas zerstreut in 
der Anordnung, in den Geberden nicht ohne Üebertreibung. 
Bei der Fruchtbarkeit des Meisters und seinem immerhin engen 
geistigen Horizont, genügt es für unsere Betrachtung, nur noch auf 
einige der wichtigsten Bilder hinzuweisen. So besitzt die Galerie zu 
Dresden zwei grosse Altartafeln der Madonna, einmal (Nr. 126) mit 
dem Kinde thronend und von Heiligen umgeben, das andere Mal (N r. 125) 
vor dem schlummernden Christkinde in Anbetung knieend. Ebendort 
unter Nr. 121 u. 122 zwei kleinere Bilder der h. Familie. Grade in 
diesen Werken ist zum Theil noch einiges alterthümlich Befangene in 
manchen Gestalten, jedoch ein glückliches Streben nach Würde und 
eine stark ausgesprochene Innerlichkeit. Mehrere tüchtige Bilder sieht 
man in der Nationalgalerie zu London, namentlich ein schönes grosses 
Altarwerk der thronenden Madonna mit Franziscus, Antonius, Wil- 
helmus und Clara, ein Bild voll ernster Anmuth, im Aufbau und den 
Motiven rafaelisch, in den Nebenfiguren etwas unlebendig, wie es Garo- 
falo leicht widerfährt, aber in der Farbe von tiefer Kraft und ge- 
diegener Behandlung. In der Ermitage zu Petersburg ist besonders 
noch eine reiche Composition der Kreuztragung und eine Anbetung 
der Hirten hervorzuheben. 
Die Galerie zu Dresden besitzt sodann drei grosse mythologische 
Bilder, Mars, Venus und Amor, Neptun und Pallas, namentlich aber 
die Hochzeit des Bacchus mit der Ariadne, letztere nach einer Zeich- 
nung RafaePs für den Herzog von Ferrara ausgeführt. Vasari erzählt, 
dass der Künstler dies Werk im hohen Alter, als er schon das eine 
Auge verloren hatte, gemalt habe, und weiss das Bild gebührend zu 
rühmen. Ausgezeichnete grau in grau gemalte Fresken mythologischen 
Inhalts, von rafaelischem Adel der Eründung und klassischer Form- 
gebung sieht man sodann in zwei Zimmern des Seminario arcivescovile
        

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