Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274692
Garofalo. 
Arbeiten zu Ferrara. 
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Fegefeuer, das Ganze ein wunderliches Durcheinander, bei welchem 
die dirigirenden Einiiüsse irgend eines symbolsüchtigen Theologen sich 
spüren lassen; dennoch reich an schönen Einzelheiten und dabei meister- 
lich gemalt. Das Bild stammt aus dem Refectorium von St. Andrea. 
Zu den schönsten Werken der mittleren Zeit gehört in derselben Samm- 
lung (Nr. 54) die sogenannte Madonna del pilastro. Man sieht die 
h. Jungfrau mit dem Kinde thronend, umgeben von vier Heiligen und 
verehrt von einer Stifterin aus der Familie Trotti. Besonders gross- 
artig wirkt der h. Hieronymus in tiefrothem Mantel, der gleich Jo- 
hannes dem Täufer eine acht rafaelische Inspiration ist. Die Madonna 
hat das hübsche Blondköpfchen mit dem etwas modernen Ausdruck, 
welches so charakteristisch für Garofalo ist. Das Bild gehört in 
Gruppirung und Linienführung zu den besten des Künstlers, die Be- 
handlung des Kolorits ist breit und kräftig und die Landschaft voll 
Anmuth. Ebendort sieht man unter Nr. 53 eine ruhende h. Familie 
mit dem verehrenden Donator Lionello del Pero, ein überaus an- 
ziehendes Bild von idyllischem Charakter und feiner Stimmung, wie- 
der durch ein tief harmonisches Kolorit und eine köstliche Landschaft 
ausgezeichnet. 
Eins seiner Hauptwerke ist sodann ebendort die Anbetung der 
Könige, mit der Jahrzahl 1537 und einer Nelke ("Garofalo") bezeichnet, 
eine reiche Composition von reif entwickelten Formen, leuchtendem 
Kolorit und prachtvoller Gesammtwirkung, die Madonna dabei ganz 
rafaelisch. Dieselbe Sammlung besitzt ferner vom Jahre 1536 ein 
grosses Bild der Kreuzaufündung, wieder bezeichnet mit dem Namen 
des Künstlers BENVEG-NV DE GAROFALQ. Die Composition ist 
nicht glücklich, der Ausdruck der gar zu modernen Frauenköpfe gleich- 
gültig, auch die übrigens trefflichen Köpfeder Männer sind zu indif- 
ferent. Dazu kommt ein etwas buntes kühles Kolorit, das aber wohl 
ursprünglich grössere Harmonie zeigte. Üngleich werthvoller ist eben- 
dort unter Nr. 52 eine Darstellung des Petrus martyr, die freilich 
gelitten hat, aber immer noch durch Adel des Ausdrucks und herr- 
liche LaHdSChaft anzieht. Eins seiner schönsten und reifsten Bilder ist 
ebendort die Flucht nach Aegypten, mit einer besonders schönen Ma- 
donna. Die Composition ist überaus originell, denn indem der Esel, 
Welcher die Madonna trägt, einen Abhang hinuntersteigt und der voran- 
schreitende h. Joseph nur noch in halber Figur sichtbar ist, ooncentrirt 
der Künstler das Interesse ganz auf die Mutter mit dem Kinde. Ein 
treifliches Bild, ebenialls aus seiner besten Zeit, ist in derselben Galerie 
LübkeJtalien. Malerei. II. 25
        

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