Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270827
Malerei. 
Gehalt. 
Geistiger 
Land noch übersehwänglichen Besitz aufzuweisen vermag, obwohl es 
seit Jahrhunderten alle Museen und Privatkabinete Europas von Madrid 
bis Petersburg, von Pest und Wien bis Stockholm und London mit 
seinen Schätzen geschmückt und bereichert hat. 
Fragen wir aber nach dem geistigen Gehalt dieser unabsehbaren 
Kunstwelt, so wird unsre Bewunderung noch höher steigen. Denn in 
einer Zeit, deren Frivolitat und Lasterhaftigkeit nicht zu leugnen ist, 
in einem Lande, das die bürgerliche Freiheit und die politische Selb- 
ständigkeit verloren hat, in einem Volke, das durch ein Zerrbild der 
Kirche Christi und durch die Ruchlosigkeit des Klerus alle Ideale, 
den Glauben und die Begeisterung verloren zu haben scheint, und 
dessen Poesie zum grössten Theil in den Novellen, den Epen, den 
Komödien die Skepsis, die Ironie und die Lascivität ihre Bacchanalien 
feiern lässt  aus solchen sittlich zerrütteten Zuständen erhebt sich 
strahlend wie im überirdischen Glanze einer besseren Welt das reine 
Bild dieser wundergleichen Kunst. 
Um diese scheinbar unbegreifliche Thatsache zu erklären, müssen 
wir vor allen Dingen daran erinnern, dass trotz aller Verderbniss der 
Kirche und ihrer Glieder, trotz der ironischen Skepsis der vornehmen 
Klassen, die Religion immer noch das höchste Lebensinteresse des 
Volkes war. Auch die bürgerlichen Kreise müssen wir uns über- 
wiegend, noch ziemlich unberührt von der sittlichen Fäulniss, dem 
alten Glauben hingegeben denken. Während die Spitzen der Gesell- 
schaft, namentlich die Geistlichkeit und die höiischcn Kreise, mit 
Wonne den unzüchtigen Komödien, den frivolen Novellen, den ironischen 
und schlüpfrigen Epen lauschten, ist es gewiss bezeichnend, dass diese 
ganze Literatur sowohl nach ihren Stolfen, wie nach ihrer Behand- 
lungsweise so gut wie gar keinen Einfluss auf die bildende Kunst der 
Zeit geübt hat. Wie ganz anders war es mit Dante's Divina Com- 
media, die weit über das Mittelalter hinaus ergreifend und anregend 
auf die Phantasie der Künstler gewirkt hatte! Aber Dante stand im 
Mittelpunkt einer positiven Anschauung und spiegelte in Seinem 
erhabenen Gedichte die höchsten Ideen, die im Volksgemüth seiner 
Zeit schlummerten. So sind denn offenbar die Künstler der goldenen 
Zeit bis auf verschwindende Ausnahmen von den sittlichen Miasmen 
freigeblieben, vor Allem schon aus dem Grunde, Weil Sie selbst aus 
den meist noch unverdorbenen Schichten des Volkes, besonders des 
Bürgerstandßs hervorgingen. Selbst wo einzelne Ausnahmen, wie bei 
Michelangelo, vorliegen, der einem vornehmen Geschlecht entstammt,
        

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