Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274685
384 
Buch. 
Kapitel. 
VIII. 
RafaeFs. 
Nachfolger 
Schüler und 
Berlin, von saftig frischem Kolorit, trefflich ausgeführt mit reichem 
landschaftlichen Hintergrunde. Eins seiner bedeutendsten WVerke aus 
demselben Jahre 1524 ist die thronende Madonna mit vier Heiligen im 
Dom von Ferrara, grossartig aufgebaut und tüchtig gemalt. Ebendort 
sieht man neben dem Portal die Freskobilder der Apostelfürsten aus 
etwas späterer Zeit. Sodann folgt ein mit dem Namen des Meisters 
und der Jahreszahl 1527 bezeichnetes Bild in der Brera, welches den 
vom Kreuz herabgenommenen Leichnam Christi, von den Seinigen 
betrauert darstellt, ein Werk von grosser Kraft des Ausdrucks und des 
Kolorits, letzteres wieder mit den für Garofalds mittlere Zeit bezeich- 
nenden silbergrauen Schatten. Nicht minder bedeutend ist in derselben 
Sammlung unter Nr. 187 ein Christus am Kreuz, zu dessen Füssen 
die Schmerzensmutter, Johannes und Maria Magdalena stehen, von 
feierlicher Stimmung und tiefleuchtender Farbenpracht. Ein edles Bild, 
mit dem Namen des Meisters und der Jahrzahl 1532 bezeichnet, ist 
ferner Nr. 189 in der Galerie zu Modena. Die auf einem hohen 
Throne sitzende von musizirenden Engeln umgebene Madonna wird 
von drei Heiligen verehrt, unter welchen S. Gontardo d'Este die h. J ung- 
frau mit ekstatischem Aufblick betrachtet. Etwas äusserlicher, aber 
immer noch schön in der Farbe ist in derselben Galerie eine andere 
Madonna, Nr. 190, die, von vier Heiligen umgeben, in einer schönen 
Landschaft thronet. Ein späteres effektvolles Bild derselben Galerie, 
ebenfalls mit reichem landschaftlichem Grunde (Nr. 172) ist ein Ge- 
kreuzigter, der von Magdalena, der Madonna und Johannes betrauert 
wird. Noch einige andere minder hervorragende Werke Garofalds 
sieht man in derselben Sammlung. 
Eins der herrlichsten Bilder des Künstlers ist die grosse Auf- 
erweckung des Lazarus, vom Jahre 1532, im Atßllef) Zu Ferrara, 
bezeichnet BENVEGNV  GAROFALO. (Fig. 90.) Wohl fehlt dem 
Erlöser die höchste Macht der Erscheinung, doch hat er etwas von 
rafaelischern Adel, die Composition ist voll dramatischen Lebens, La- 
zarus namentlich von ergreifendem Ausdruck, besonders aber die Farbe 
von tiefer Leuchtkraft und harmonischer Wirkung. Sehr eigenthüm- 
lich ist in derselben Sammlung ein grosses Freskobild (Nr. 50), welches 
das alte und neue Testament in einer merkwürdigen Allegorie verführt. 
Den Mittelpunkt bildet Christus am Kreuz, darüber sieht man das 
Paradies, unten zu beiden Seiten den Fall der Synagoge und den 
Triumph des Christenthums, die Predigt Pauli zu Athen und die 
Zerstörung des salomonischen Tempels, endlich die Hölle und das
        

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