Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274662
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Buch. 
VIII. 
Kapitel. 
Schüler 
RafaePs. 
Nachfolger 
und 
eins seiner liebenswürdigsten und feinsten Bildchen, von warmer Fär- 
bung und rafaelischer Composition. Nicht minder vorzüglich ist ein 
kleines Andachtsbild aus seiner römischen Zeit im Besitz der Königin 
von Württemberg zu Stuttgart, in welchem die Motive der Madonna 
di Granduca und der Madonna Tempi in sinniger Weise zu einem 
neuen anmuthigen Ganzen verschmolzen und in prächtiger Farben- 
wirkung durchgeführt sind. Eine h. Familie in der Ermitage zu 
Petersburg, N12 ÜO, leidet an etwas kalter Färbung, Während die 
Grablegung ebendort, Nr. 62, zu den Werken zu gehören scheint, 
welche aus der früheren vorrafaelischen Epoche des Künstlers stammen. 
Noch sei ein anziehendes Bildchen der Galerie zu Turin, der zwölf- 
jährige Christus im Tempel, und eine liebenswürdige Madonna in der 
Brera (Nr. 313) hier erwähnt. 
Ohne die zahlreichen kleinen Bilder dieser Art im Einzelnen 
anzuführen, gehen wir zur Betrachtung der nicht minder ansehnlichen 
Zahl grosser Andachtsbilder über, welche der fleissige Meister ge- 
schaffen hat. Wenn der Künstler in diesen Werken auch nicht den 
höchsten Schöpfungen seiner Zeit gleichkommt, so nähert er sich den- 
selben bei manchen Arbeiten in einer Weise, dass man auch hier wieder 
erkennt, wie in jener goldenen Zeit Talente zweiten Ranges durch 
ernste Concentration ihrer Kräfte sich zu hoher Bedeutung aufschwingen. 
Eine Anzahl seiner herrlichsten Werke vereinigt die Sammlung des 
Ateneo zu Ferrara. Das früheste uns bekannte Werk dieser Art ist 
dort eine auf Wolken schwebende, von Engeln umgebene Madonna 
mit dem Kinde, von Hieronymus, Franziskus und zwei Stiftern aus 
der Familie Suxena verehrt, bezeichnet 1514. Es ist ein Werk voll 
Empfindung in den prächtig gemalten Köpfen und von einem warmen 
harmonischen Kolorit. Den Hintergrund bildet eine jener köstlichen 
Landschaften, in welchen wie gesagt Garofalo die Mitte zwischen den 
einfach idyllischen Landschaften RafaePs und den kühnen phantasie- 
vollen-der Venezianer hält. In derselben Sammlung sodann eine über- 
aus lebendige und dramatische Darstellung des Kindermords vom Jahr 
1519, ein treffliches Bild mit prachtvoller Landschaft, von leuchtender 
Färbung, im Ausdruck der Gestalten mehrfach herb wie die plastischen 
Gruppen Mazzonfs, aber die Kinder von rafaelischer Lieblichkeit. 
Aus dem Jahre 1518 datirt das köstliche Bild der thronenden 
Madonna mit vier Heiligen in der Akademie zu Venedig, Nr. 452, 
bezeichnet mit des Meisters Namen, ein Werk, welches weniger durch 
die Composition als durch die edlen Charaktere, die herzige Anmuth der
        

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