Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274612
da Imola. 
Innocenzo 
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grossartige Gestalten, in frisch leuchtendem Kolorit durchgeführt und von 
einer poetischen Hügellandschaft eingeschlossen. In der Sakristei von 
S. Micchele in Bosco bei Bologna sieht man eine Anzahl von Heiligen 
in Nischen gemalt, in welchen sich der Künstler als ebenso tüchtiger 
Freskomaler bewährt. Auch die h. Kreuzkapelle derselben Kirche hat 
er an Wänden und Gewölbe mit Fresken geschmückt, die indess ver- 
dorben sind. Besser erhalten sind die Wandbilder in S. Vitale, wo 
namentlich die Heimsuchung voll inniger Empfindung ist. Weniger 
unmittelbar wirkt die Madonna mit den h. Paulus, Benedikt und Blaria 
Magdalena in der Pinakothek daselbst, eine etwas lahme Nachahmung 
RafaePs. Eine Beschneidung Christi im Louvre ist ein zierlich und 
sauber ausgeführtes kleines Bild, dessen Composition jedoch an Ueber- 
ladung leidet; auch die Färbung ist bunt und kalt, und der Ausdruck 
sowie die Charaktere lassen erkennen, dass auch dieser treffliche Künst- 
ler zuletzt sich von Manierismus und Aeusserlichkeit nicht frei zu halten 
wusste. Er starb 1542 in Bologna. 
Ebenfalls aus Francia's Schule ging Innocenzo Francucci, nach 
seinem Geburtsort I. da Imola genannt, hervor (e. 1494-1550), der 
einen stärkeren Grad der schwärmerischen Innigkeit seines ersten 
Meisters zu bewahren und dieselbe mit den edlen Formen rafaelischer 
Kunst in Einklang zu setzen wusste. Seine Thätigkeit gehört aus- 
schliesslich Bologna an, wo man in der Pinakothek und in den Kirchen 
eine ansehnliche Zahl seiner Werke sieht. Auch er giebt sich aus- 
schliesslich der kirchlichen Malerei hin und ist, besonders im Andachts- 
bild, zwar nicht von so grossartig einfachem Aufbau wie Bagnacavallo, 
aber immerhin erfreulich durch Würde der Gestalten und Innigkeit 
des Ausdrucks. In der Färbung wiegt der Eindruck leuchtend frischer 
und dabei duftig verschmolzener Töne vor, die er in der Schule des 
Mariotto Albertinelli sich angeeignet hatte. Im Ganzen gehört er zu 
den leicht bestimmbaren Naturen, die ihre Inspirationen aus zweiter 
Hand schöpfen.  
Aus seiner früheren Zeit besitzt die Pinakothek zu Bologna 
unter Nr. 89 eine innig empfundene Madonna mit dem Kinde und vier 
Engeln, den h. Petrus, Benedikt und dem Erzengel Michael, während 
ebendort die h. Familie mit Franziskus und Clara (Nr. 292) die rafae- 
lische Anschauung vertritt. Noch eine andere h. Familie mit zwei 
knieelldßll Stifterügüren (Nr. 90) zeigt ähnliche Auffassung. Eins seiner 
schönsten und edelsten Bilder ist die grosse Altartafel mit der Ver- 
mählung der h. Katharina, von 1536, in S. Giacomo lllaggiore,
        

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