Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274589
374 
Buch. 
Kapitel. 
VIII. 
Nachfolger RafaePs. 
Schüler und 
Wunderthaten und Martertod des h. Januarius darstellend, zu den 
edelsten Schöpfungen der Zeit gehörend, voll Anmuth und schlichten 
Lebensgefühls. 
Wieder in andrer Richtung ist Giovanvzi da (Idine (1487-1564) 
thätig, dem vor Allem die Ausführung der Dekorationen in RafaePs 
Loggien anvertraut war, wie auch die ornamentalen Malereien in der 
Pfeilerhalle unter den Loggien mit ihren anmuthigen Rebenlauben von 
ihm herstammen. Ebenso war er hauptsächlich bei den Dekorationen 
des ersten Saales im Appartamento Borgia betheiligt. Er stammte aus 
der venezianischen Schule und hatte zuerst dort durch Giorgione be- 
stimmende Einflüsse erfahren. So hoch er im Dekorativen steht, so 
selten sind Tafelbilder von ihm nachzuweisen. Das einzige beglaubigte 
Werk dieser Art ist ein köstliches Bildchen bei Herrn Frizzoni in 
Bergamo, welches den Namen des Künstlers und die Jahrzahl trägt: 
IOANNES NANNIS VTINENSIS. 1517. Es zeigt die thronende 
Madonna, von zwei reizenden musizirenden Engeln umgeben und von 
knieenden Stiftern verehrt, in der Luft Engelköpfchen und zierliche 
Fruchtschnüre. Das tiefe leuchtende Kolorit und die Auffassung der 
Formen lässt die letzte Stufe des bellinischen Stiles unter dem Einfluss 
Giorgionds erkennen. Demnach muss das grosse Bild der Akademie 
von Venedig, welches Christus, umgeben von den Schriftgelehrten 
und den vier Kirchenvatern darstellt, als zweifelhaft erscheinen. Eher 
darf man bei dem frischen, aber nicht venezianischen Kolorit, den 
kräftigen Typen und den lebendigen Bewegungen an einen Ferraresen 
denken. Ebenso ein kleineres Bild der Madonna mit zwei Heiligen in 
der Galerie Manfrin. Eine h Familie in der Akademie (Nr. 187) ist 
fein, in hellem Ton durchgeführt, die! Composition aber lahm und die 
Gestalten spiessbürgerlich, so dass auch hier schwerlich an den Meister 
zu denken ist. 
Bei der Plünderung Roms 1527 ging er nach seiner Heimath 
zurück und arbeitete dort in Udine und andern Städten des Friaul, 
meist in dekorativer Weise. Noch einmal (1550) begab er sich nach 
Rom , um die letzte Hand an die Vollendung der Loggien zu legen. 
Er starb dort und erhielt sein Grab im Pantheon. Im bischöflichen 
Palast zu Udine sieht man noch eine von ihm gemalte Decke, die im 
Charakter der rafaelischen Compositionen ausgeführt ist. Auch im 
Schlosse zu Colloredo und im Castell zu Spilimberg sind anziehende 
Fresken von ihm vorhanden. In seiner Vaterstadt stand er nicht bloss 
als Maler und Dekorator, sondern auch als Architekt in hohem Ansehen.
        

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