Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274538
G. Romano. 
Palazzo del Te. 
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In dem folgenden Zimmer, der Camera delle Medaglie, ist die 
Decke mit Reliefdarstellungen des Thierkreises geschmückt; dazu sind 
in sechzehn Medaillons Scenen aus den mannichfaltigen Beschäftigungen 
der Menschen gefügt, Jagd, Fischfang, Schwimmen, gymnastische Spiele, 
Opfer, Gericht, Markt u. dgl., reich an liebenswürdigen genrehaften 
Zügen, bei ziemlich flüchtiger dekorativer Ausführung. In dem folgen- 
den Zimmer enthält die Decke ein grosses Oelbild mit dem Sturze 
Phai-Jtons, nach einem Entwurfe Giulio's später ausgeführt. Am Friese 
sieht man geistreich erfundene und zierlich in kleinen Figuren aus- 
geführte Kampfscenen von Centauren und Amazonen, Tritonen und 
mancherlei Thieren. In der darauf folgenden offenen Halle ist die 
Geschichte Davids dargestellt, theils in den Medaillons der Decke, theils 
in den vier Lünetten, wo man seine Siege, namentlich den über Goliath 
und sein Spiel vor Saul sieht. In der folgenden Camera degli stucchi 
ist nach Giuliois Entwürfen in den Stuckreliefs der Friese in, völlig 
klassischem, von der Trajanssäule entlehnten Stil der Triumphzug 
Kaiser Sigismunds dargestellt, welcher ein Jahrhundert früher das 
Geschlecht der Gonzaga im Besitz Mantuas bestätigt hatte. Dieser 
Gegenstand wurde als Kompliment für Karl V. gewählt, um von ihm 
bei seinem Aufenthalt in Mantua die Herzogswürde zu erlangen. In 
den Lünetten stellten Primaticcio und ein anderer Gehülfe Mars und 
Herkules dar. In dem folgenden Zimmer, der Camera de' Cesari, 
malte Primaticcio nach Giulio's Entwürfen sechs Kaiserbildnisse und 
drei historische Scenen: wie Cäsar den Befehl giebt, die bei Pompejus 
gefundenen Papiere der Feinde zu verbrennen; wie Alexander der Grosse 
die Schriften Homefs entdeckt, und wie Scipio dem Mardonius seine 
Gemahlin zurückgiebt.  
Den Abschluss dieses prachtvollen Cyklus bildet der Giganten- 
saal, in welchem Giulio's Talent in höchster Kühnheit gipfelt, aber 
zugleich durch Maasslosigkeit in wilde Entartung verfällt. Am Gewölbe 
blickt man in die mit meisterhafter perspektivischer Kunst gemalte 
ionische Saulenhalle eines grossartigen Kuppelbaues hinauf, welcher den 
Thron Jupiter's umschliesst. Man sieht den ganzen Olymp in Wildßßter 
Aufregung, Götter und Göttinnen in leidenschaftlichem Durcheinander 
vor dem Angriff der himmelstürmenden Giganten fliehen, oder sich zur 
Abwehr rüsten. Dieser Theil der Darstellung ist von erstaunlicher 
Kühnheit und dramatischer Gewalt. Rings an den Wänden aber ist 
Alles von leidenschaftlichen Kampfscenen überfluthet. Von der Höhe 
herab schleudert Jupiter seine Blitze unter die Riesen, die in wilder 
Lübke, Italien. Malerei. II. 24
        

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