Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270803
Umwandlung 
der Plastik. 
Malerei. 
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die Plastik der Zeit bei kirchlichen Aufgaben  und diese sind stets 
noch weitaus die Mehrzahl  immer entschiedener zu einem Stil, 
dessen lautere Anmuth mehr dem Gebiet des allgemein Menschlichen 
als des spezifisch Christlichen angehört. So zeigt es uns der edle 
Aydrea Sansovino, nicht bloss in den Grabmälern von Sta, Maria del 
Popolo, sondern auch in seinen Arbeiten in der Sta. Gasa zu Loreto; 
in seinen Grabgestalten aber schafft er Abbilder des Lebens, in welchen 
die portratmässige Treue durch Adel der Auffassung zu monumentaler 
Würde erhöht ist. Daneben ist der milde Andrea della Robbia, dieser 
Rafael der Plastik, zu nennen, der mit seinen Söhnen jene herrlichen 
glasirten Thonsculpturen hervorbringt, Welche man in Florenz, Arezzo, 
Verna und vielen andern Orten an Altären, Thürlünetten, Sakristei- 
brunnen u. dgl. bewundert. Reinheit der Empfindung, Anmuth des 
Ausdrucks, Adel der Form verleihen diesen Werken das Gepräge 
klassischer Vollendung. Prachtvoller und markiger entfaltet, sich da- 
gegen die Marmorsculptur Venedigs, wo Jacopo Sansovino den Ent- 
wicklungsgang der Plastik beherrscht, während in Bologna der treff- 
liche Alfonso Lombardo seine fein empfundenen Werke schafft, und in 
Modena Antonio Begarelli das geringe Material des gebrannten Thons 
durch die Innigkeit seiner edlen Schöpfungen adelt. 
Ausser aller Linie steht dann Michelangelo, der in den Mediceer- 
grabern, wie in dem Moses, in den Madonnen, wie in den Gestalten 
des antiken Mythos nur das Gesetz seiner eignen tiefen und gewaltigen 
Subjektivität anerkennt, die freilich mit solch souveräner Herrschaft 
über Form, Bewegung und Ausdruck ausgestattet ist, dass sowohl die 
Antike wie das Christenthum in den Hintergrund treten. Hier zeigt 
sich mehr als. irgendwo die Entfesselung der modernen Subjektivität 
in einer dämonischen Gewaltherrschaft, der die ganze Schaar der 
kleineren Nachzügler unrettbar zum Opfer fiel. 
So fällt denn auch jetzt, ja jetzt mehr als je, die Hauptaufgabe 
der Kunst wiederum der Malerei anheim. Und hier erheben sich 
nun vor dem umschauenden Blick jene Heroengestalten der Kunst, 
welche die Bewunderung und die Liebe der Menschengeschlechter bis 
in die fernsten Zeiten sein werden. Den Reigen eröffnet die ernste, 
räthselhaft verschlossene Gestalt Lionardds; ein Grübler und wissen- 
schaftlicher Spürer auf allen Gebieten des Forschens, ein Erdecker 
wie wenige im Bereiche des Schönen. In diesem suchenden Tiefsinn 
ist er noch ganz ein Mensch des 1_5. Jahrhunderts; ebenso sehr Gelehrter 
wie Künstler; nicht minder Physiker, IngenieurfFestungs- und Wasser-
        

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