Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274484
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Conventionelles verräth, und im Kolorit grelle Lichter und schwere 
Schatten aufweist. Eins der schönsten seiner Bilder ist dagegen die 
h. Familie in der Galerie zu Dresden, trefflich durchgeführt und von 
lebendig anmuthendem Motiv. Das Baden des Kindes ist zu einer 
Genrescene voll- heiteren Muthwillens benutzt, die Composition von 
einem an Rafael gemahnenden edlen Linienzug, das Kolorit von grosser 
Frische und Harmonie. Das Christuskind, ein kräftig entwickelter 
Bube, wird von der Mutter über der bronzenen Badeschüssel gehalten, 
während der kleine Johannes voll Geschäftigkeit Wasser über seinen 
Spielkameraden ausgiesst. In der Ecke rechts sieht der h. Joseph 
der Scene zu, während links die h. Anna, dieselbe ausdrucksvolle 
Matronengestalt, die wir von den heil. Familien aus RafaePs spätester 
Zeit her kennen, das Tuch zum Abtrocknen bereit hält. Nach VasarYs 
Zeugniss malte Giulio dieses schöne Bild für Herzog Federigo. (Fig.86.) 
Ein anderes Hauptwerk des Meisters, für eine Kapelle in S. Andrea 
zu Mantua ausgeführt, jetzt im Louvre, ist die Geburt des Christ- 
kindes, das von der Madonna im Beisein Johannes des Evangelisten 
und des h. Longinus verehrt wird, ein Bild von mächtigen,  fast 
gewaltsamen Charakteren, die Composition sehr bedeutend, das Ganze 
in einem warmen goldigen Ton durchgeführt, nur mit etwas zu dunklen 
Schatten im Hintergrund. Trefflich ist auch ein kleineres Bild derselben 
Sammlung, welches die h. Jungfrau mit dem Christkinde und dem kleinen 
Johannes darstellt; fein ausgeführt und von energischer Farbenwirkung. 
Von andern Altarbildern nennen wir die Geisselung Christi in 
der Sakristei von Sta. Prassede zu Rom, allerdings bloss äusserlich 
effektvoll, nicht ohne Einfluss der Richtung Michelangelds, sorgfältig 
durchgeführt, aber in nnerfreulich rother Karnation. Ungleich be- 
dentender ist die Steinigung des Stephanus in S. Stefano zu Genua. 
Hier ist namentlich die jugendliche Gestalt des Heiligen mit den man- 
nichfach charakterisirten, zum Werfen ausholenden Peinigern zu einer 
meisterhaften Gruppe verbunden und dabei in einem kraftvollen har- 
monischen Kolorit ausgeführt, während dagegen die himmlische Gruppe 
Christi, der mit Gottvater erscheint, von Engeln umschwebt, die ganze 
Gleichgültigkeit Giulio's verräth. Bei solcher Gelegenheit merkt man, 
wie wenig ihm die christlichen Stoffe am Herzen lagen. Wo aber in 
der Behandlung solcher Gegenstände Seele und Empfindung fehlen, da 
werden auch die schönsten Formen geistlos und leer. 
Üngleich zusagender war für Giulio die Welt des klassischen 
Alterthums, obwohl er auch diese nicht mit der adeligen Anmuth
        

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