Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274414
Vielseitigkeit. 
BafaePs 
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della Sedia und die Sixtinische, wie die Galatea und die Sibyllen ihn 
als einen Meister harmonischer Farbenbehandlung verkünden. 
Dazu kam aber seine nicht geringe Bedeutung als Architekt und 
in den letzten Lebensjahren jener grosse durch Leo X. angeregte Plan 
einer künstlerisch-archäologischen Restauration des antiken Rom. Üeber 
letzteren besitzen wir einen anziehenden Bericht von einem Zeitgenossen 
in einem Briefe des päpstlichen Sekretairs Oalcagnini an den Mathe- 
matiker Jacob Ziegler. Dieser erzählt, dass Rafael den achtzigjährigen 
Gelehrten Marco F abio Oalvo aus Ravenna, der in grosser Armuth 
lebte, in sein Haus aufgenommen habe, der ihm den Vitruv in's Ita- 
lienische übersetzte. Dieses Manuscript, mit zahlreichen Randbemer- 
kungen RafaePs, befindet sich jetzt in der Münchener Hofbibliothek. 
Nachdem dann der Briefsteller den Maler und Architekten Rafael auf's 
Höchste gepriesen und seine Herzensgüte und Liebenswürdigkeit her- 
vorgehoben, schildert er seine Arbeiten bei der Ausgrabung und Dar- 
stellung des alten Rom, durch welche er den Papst und alle Römer so 
zur Bewunderung hingerissen habe, dass ihn fast alle Menschen wie 
einen Gott ansähen, der vom Himmel herabgeschiekt sei, um die ewige 
Stadt in der alten Majestät wieder herzustellen. 
Wenn wir alle diese in's Unglaubliche gesteigerte Thatigkeit 
erwägen, so begreifen wir leicht, dass ein zarter Organismus wie der 
RafaePs dadurch vor der Zeit aufgerieben werden musste. Während 
aus jenem Briefe von 1514 an den Oheim noch die volle Heiterkeit 
ungebrochenen Lehensmuthes strahlt, vernehmen wir durch einen Be- 
richterstatter aus dem Jahre 1519, wie sehr die Ueberlast der Arbeiten 
und der Verantwortlichkeit die schöne Harmonie seines Wesens umtlort 
hatte. „So bedeutende Naturen wie Rafael," schreibt Paoluzzi, der 
ferraresische Gesandte, an seinen Herrn, "sind" immer melancholisch, und 
Rafael ist es jetzt um so mehr, als ihm seit Bramantds Tode das ganze 
Bauwesen aufgeladen ist." Und der andere Geschäftsträger des Herzogs, 
Costabili, schreibt: „Es ist nicht zu glauben, was Alles der Papst ihm 
aufbürdet." Beide Gesandten hatten den Auftrag, bei Rafael den Wunsch 
des Herzogs nach einem Bilde seiner Hand zu betreiben. Obwohl sie 
Alles daran setzten und den Künstler zuletzt förmlich belagerten, kamen 
sie doch nicht zum Ziele. Rafael's feine Natur vermochte diesen be- 
ständigen Anspannungen und Ueberreizungen auf die Dauer nicht zu 
widerstehen. 1m Frühjahr 1520 erkrankte er an einem heftigen Fieber, 
das er sich wahrscheinlich bei den Untersuchungen der Ruinen zuge- 
zogen hatte. Vierzehn Tage währte die Krankheit, die ganz Rom, den
        

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