Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274389
354 
Buch. 
Kapitel. 
VII. 
Rafael 
unter Leo X. 
er als Probe die Figuren der Gerechtigkeit und der Sanftmuth durch 
Giulio Romano und Francesco Penni in Oel malen lassen. Dann unter- 
brach sein Tod, und im folgenden Jahre das Hinscheiden Leo's X. 
das Werk. Auch während des kurzen Pontificats Hadrians VI. blieb 
dasselbe liegen, und erst unter Clemens VII. (1523) wurde es wieder 
aufgenommen. Nun führten die beiden genannten Künstler mit Unter- 
stützung des Rafael del Celle und des Giovanni da Lione das umfang- 
reiche Werk aus. Sie wandten sich indess dabei der Freskomalerei 
wieder zu und liessen nur die beiden in Oel ausgeführten Figuren 
stehen. Die Gegenstände der Darstellungen sind aus dem Leben Con- 
stantins genommen, schildern also den Sieg des Christenthums über 
das Heidenthum. So durfte also Rafael gegen sein Lebensende noch 
einmal den Schritt in die grosse Historienmalerei thun, unbeirrt von 
allerlei Nebentendenzen und Anspielungen. Vier grosse Bilder aus dem 
Leben Constantins nehmen den Haupttheil der Wände ein. Mit reich 
ornamentirtem Rand und Franzen eingefasst, ahmen sie aufgehängte 
Teppiche nach. Die Bilder werden getrennt durch Papstfiguren, die 
in Nischen gemalt sind und allegorische Gestalten von Tugenden neben 
sich haben. Ueber diesen sind kleinere symbolische Figuren auf Pi- 
lastern angebracht. So wurde ein neues Motiv in die Flächengliederung 
eingeführt, Welches auf Wirksame malerische Contraste ausgeht und 
den grossen Dimensionen des Saales treiflich entspricht. Der Sockel 
wird durch Karyatiden gegliedert, zwischen welchen bronzefarbig ge- 
malte Reliefs mit Scenen aus dem Leben Constantins imitirt sind. 
Den Anfang macht die Erscheinung des Kreuzes. Der Kaiser 
steht links, von einem älteren Anführer begleitet, auf einer Tribüne 
und verkündet vier Fahnenträgern die Vision des wunderbaren Kreuzes, 
das man oben in den Lüften sieht. Die Mittheilung erregt sichtlich 
Enthusiasmus, und aus dem Hintergrunde eilen Soldaten herbei, un1 
ebenfalls in lebhafter Weise Theil zu nehmen. In der Ferne sieht 
man antike Monumente, namentlich die Mausoleen der Kaiser und eine 
Pyramide. Der missgestaltete Zwerg rechts im Vordergrunde und die 
beiden den Kaiser begleitenden mittelalterlichen Pagen sind Zusätze 
G. Romano's, der das Bild in kräftig frischem Ton ausgeführt hat. 
Der Entwurf beündet sich beim Herzog von Devonshire in Chatsworth, 
kann aber schwerlich auf Rafael selbst zurückgeführt werden, da die 
Composition zu mattiund unselbständig ist. 
Dagegen ist das zweite Bild, die berühmte Constantinsschlacht, 
ohne Frage nach Entwürfen RafaePs durch G. Romano ausgeführt,
        

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