Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274371
zur Transfiguration. 
Studien 
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zu Lille, der untere zu Oxford erhalten. In dem letzteren Sieht man 
einen Engel auf dem Rande des offenen Grabes sitzen, während die 
Gruppe der aufgeschreckten Wächter, vom himmlischen Schein geblen- 
det, auftaumelt, zu fliehen und sich vor dem Glanze zu schützen sucht. 
Mehrere Studien zu diesen besitzt die Sammlung zu Oxford (Br. 56, 58). 
Hier ist der höchste Grad leidenschaftlicher Aifekte, kühner Bewegungen 
und Verkürzungen erreicht. Diese Vorliebe für das Dramatische, die 
auch in der Transtiguration sich geltend macht, ist das Ergebniss eines 
natürlichen Wettkampfs mit den durch Michelangelo zur Herrschaft 
gekommenen Tendenzen. In der oberen Hälfte des Bildes erscheint die 
Gestalt des emporschwebenden Christus identisch mit der in der Trans- 
figuration. Rafael hat offenbar während der Vorstudien den ersten Plan 
aufgegeben und statt der Auferstehung die Verklärung Christi gemalt. 
Noch eine bedeutende Composition haben wir aus den letzten 
Zeiten des Meisters zu verzeichnen: die Krönung der Madonna im 
Vatikan. Schon in seiner frühesten Jugendzeit (1505) von den Nonnen 
des Klosters Monteluce bei Perugia mit einem Draufgeld von 30 Dukaten 
bestellt, war das Bild nicht zur Ausführung gekommen, bis ein neuer 
Contrakt 1516 abgeschlossen wurde, in welchem Rafael das Bild binnen 
Jahresfrist zu liefern versprach. Aber auch jetzt kam es nicht zur 
Ausführung, sondern nur zu einem Entwurf, den nach seinem Tode 
G. Romano und Francesco Penni ausführten, indem der erstere den 
oberen, der zweite den unteren Theil malte. Das Bild kam dann end- 
lieh 1525 in die Kirche von Monteluce, wurde in der französischen 
Zeit nach Paris entführt, 1815 zurückgegeben und der Galerie des 
Vatikan einverleibt. Die Anordnung ist die herkömmliche, nach welcher 
Christus, auf Wolken thronend, die neben ihm sitzende Madonna krönt, 
während unten die Apostel in lebhaften Bewegungen des Staunens das 
offene Grab umgeben. In der Ausführung ist die obere von G. Romano 
herrührende Partie der unteren von Francesco Penni behandelten über- 
legen; in den Charakteren, dem Ausdruck der Köpfe und den Bewe- 
gungen ist Rafaells Erfindung unverkennbar. 
Zu den Werken, welche erst nach RafaeYs Tode durch seine 
Schüler zur Ausführung kamen, gehört endlich auch der Constan- 
tinssaal, welcher die Reihe der vatikanischen Stanzen abschliesst. 
Rafael hatte für denselben den Entwurf zur Constantinsschlacht, sowie 
zu einigen allegorischen Figuren gezeichnet und eine Skizze für das 
Ganze entworfen. Da er, durch den Vorgang des Sebastian del Piombo 
veranlasst, den Plan fasste, das Ganze in Oel auszuführen, so hatte 
Lübke, Italien. Malerei. II. Q3
        

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