Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270789
Einfluss der 
antiken 
Denkmale. 
Architektur. 
Begeisterung, betrachteten sie sich ja schon durch Geburt und Ab- 
stammung als die Erben jener grossen Zeit. Und in den Italienern 
des 16. Jahrhunderts trat das klassische Alterthurn nicht mehr mit 
jener verworrenen, unklaren, aus wenigen Bruchstücken geschöpften 
Gestalt auf, wie es den Vätern der Renaissance ein Jahrhundert vor- 
her erschienen war. Der gemeinsame Eifer mehrerer Generationen 
von Künstlern und Gelehrten hatte ein vollständigeres Bild der unter- 
gegangenen Herrlichkeit aus den immer zahlreicher ans Licht geför- 
derten Denkmälern zu Stande gebracht. Vergessen wir nicht, dass 
damals die meisten von jenen berühmtesten Schöpfungen antiker Plastik 
aus Schutt und Versunkenheit ihre Auferstehung feierten, welche bis 
aufWinckelmann, Lessing, Goethe als die höchsten Offenbarungen der 
antiken Bildnerei galten, bis die Entdeckung der Parthenonsculpturen 
noch Höheres kennen lehrte. Damals wurden der Apoll vom Belvedere, 
der Torso, der Laokoon, die Ariadne und so manche andre Meister- 
werke dem Erdboden wieder enthoben. Kein Wunder, dass solche 
Schöpfungen durchgreifenden Einfluss auf die Künstler und ihre neu- 
entstandenen Werke gewannen. Nicht minder wurde durch regen 
Verkehr mit Gelehrten und Alterthumskennern, mit denen Rom ange- 
füllt war, den Künstlern ein neues Licht über das klassische Alterthum 
entzündet. Selbst ein Rafael opferte einen Theil seiner kurzen Lebens- 
jahre der Erforschung und Aufdeckung des antiken Rom! 
Am unmittelbarsten zog die Architektur Gewinn aus diesem 
neuen Verhältniss zur Antike. Man braucht nur die mächtigen, leider 
nicht vollendeten Pfeilerhallen des grösseren Palazzo di Venezia zu 
betrachten, um die direkte Einwirkung des Colosseums zu empfinden, 
um zu erkennen wie die Architektur hier aus dem Engen der zier- 
lichen florentinischen Saulenhöfe einen entschiedenen Schritt in die 
freie Grossraumigkeit des römischen Stiles thut, Die ganze Grösse 
dieser Bauweise, von den Grazien des edelsten Masses umspielt, finden 
wir dann in den Palastfaeaden und Hofhallen Bramantds, in Cancelleria 
und Palazzo Giraud, im köstlichen Hofe von Sta. Maria della Pace, 
dann mit mächtig ausholendem Schwunge in dem leider naehmals 
verbauten, gewaltigen inneren Hofe des Vatikans, SOWiG dem durch 
Rafaels Loggien unsterblich gewordenen Cortile di S. Damast). Eine 
Reihe grosser Meister, vom älteren G-iuliano da  Gallo über Peruzzi, 
Rafael und Giulio Romano bis zu Michelangelo hin entwickelt den 
römischen Palasttypus in allen seinen Schattirungen und stellt zugleich 
in den Villen Farnesina, Laute, Madama ideale fürstliche Landsitze
        

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