Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274203
336 
Buch. 
Kapitel. 
VII. 
unter Leo 
Rafael 
und des Constantinbogens verwendete, liegt klar zu Tage. Aus der 
Verbindung dieser Elemente mit der Eigenart seines künstlerischen 
Geistes bildete sich jener ideale historische Stil, der dann bald als 
Gemeingut einer grossen Schule allerdings conventioneller Leere verfiel. 
Ueberblicken wir die Summe des von Rafael in wenigen Jahren 
Geleisteten, so erfasst uns Staunen vor der Unerschöpflichkeit seiner 
Phantasie, vor der sicheren Gestaltungskraft, "der Fülle köstlichen 
Lebens, der Reinheit und Anmuth der Empfindung, mit der er Alles 
adelt, was er berührt. Und dies inmitten eines üppigen genusssüch- 
tigen Hofes, der auf anderen Gebieten, in der Komödie und sonstigen 
Schaustellungen, sich der grössten Zügellosigkeit hingab. Eins aber 
ist bei alledem zu beklagen: während Michelangelo seine grossen 
Schöpfungen ganz allein ausführte und jede Hilfe abwies, musste Rafael 
schon bald bei der immer mehr steigenden Fluth der Aufträge, etwa 
seit 1513, zur Ausführung fast aller seiner umfangreicheren WVerke die 
grosse Anzahl von Schülern in Anspruch nehmen, die sich durch die 
Liebenswürdigkeit seines Naturells zu ihm hingezogen fühlten. So kam 
es, dass namentlich die späteren Stanzen, die Loggien, die Halle der 
Farnesina, das Badezimmer Bibbiena's, die Kapelle der Magliana so 
gut wie ausschliesslich Schülerhänden anheimfielen. Anderes, wie die 
Cappella Chigi und die Teppiche, wurde für eine Weise der Herstellung 
entworfen, bei welcher handwerkliche Technik den Vorrang hatte. Und 
selbst bei der Ausführung der Kartons für die Teppiche musste er sich 
der Mitwirkung seiner Schüler bedienen. Dadurch entstand eine Kluft 
zwischen Entwurf und Ausführung, die allerdings wieder in die Ge- 
wohnheiten der noch stark handwerklichen Kunst der früheren Kunst 
zurücklenkte. Diese Kluft musste aber um so empfindlicher werden, 
je höher die Kunstvollendung, je feiner der Geist des eriindenden 
Meisters war, je merklicher selbst die tüchtigsten unter seinen Schülern 
hinter ihm zurückblieben. S0 hoch daher immer unsere Bewunderung 
der herrlichen Compositionen sein wird, so erfahrt dieselbe durch die 
Art der Ausführung nicht unwesentliche Trübung, denn das Wesen 
eines Kunstwerks besteht niemals allein in der Idee, sondern verlangt 
zur vollen Geltung die beseelte Hand des eründenden Meisters. 
Um so werthvoller für uns, dass wir aus derselben Zeit RafaePs 
eine Reihe von Bildnissen besitzen, in welchen wir den Meister auch 
in der geistvollen Ausführung auf der vollen Höhe kennen lernen. Die 
bedeutendsten derselben erhalten dadurch ein noch höheres Interesse, 
dass sie uns in den Kreis der hervorragenden Männer einführen, mit
        

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