Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274192
auffallend an die Madonna di Fuligno erinnert, so würden diese Ver- 
suche RafaeYs in eine Zeit fallen, in Welcher er noch nicht so sehr 
von allen Seiten durch Aufträge bedrängt war. 
Wie dem indess auch sein mag, die künstlerische Grösse RafaePs 
erhält dadurch keinen weiteren Zuwachs; wohl aber wurde seine Ver- 
bindung mit Marcanton von grosser Bedeutung für sein künstlerisches 
Schaffen. Dieser hatte sich aus mühsamen Anfängen zuerst in der 
Schule Francia's, dann besonders durch Studien nach Mantegna und 
Dürer zu hoher Bedeutung emporgeschwungen. Schon 1506 hatte er 
eine Anzahl von Blättern aus Dürer's Holzschnittwerk „das Leben der 
ltiaria" in Kupfer nachgestochen und fünf Jahre später die kleine 
Passion Dürer's kopirt. Während er dabei dem deutschen Meister be- 
sonders in den landschaftlichen Gründen viel verdankte, folgte er ihm 
dagegen nicht in der höheren Ausbildung des malerischen Reizes, son- 
dern entwickelte unter dem Einfluss Michelangelds und mehr noch 
RafaePs den Kupferstich vorzüglich im Sinne einfacher klarer Plastischer 
Formbezeichnung. Ein Uebergangsstadium bilden 1510 die Kletterer 
Michelangelds, die er in Kupfer stach und mit einem landschaftlichen 
Hintergrunde nach Lucas von Leyden ausstattete. Bald darauf beginnt 
seine Verbindung mit Rafael, deren Anfang durch die Stiche nach dem 
Parnass und der Poesie aus der Stanza della Segnatura bezeichnet 
wird. J e mehr Rafael durch die massenhaften Aufträge gedrängt 
wurde, sich bei der Ausführung der Hilfe von Schülern zu bedienen, 
desto verlockender wurde ihm die Aussicht, durch einen tüchtigen, ihm 
nahe stehenden und in seine Kunstweise eingeweihten Stecher die 
grosse Fülle von Schöpfungen, die seiner Phantasie unablässig ent- 
strömten, mit dem Grabstichel fixiren zu lassen. So entstanden jene 
herrlichen Blätter des Kindermords (Studien in der Albertina, Br.137, 
138 und im Brit. Museum, Br. 80, während ebendort das Blatt Br. 91 
nur Kopie), des Abendmahls, des Sündenfalls (Entwurf in Oxford), des 
Martyriums der h. Felicitas, denen sich aus dem mythologischen Ge- 
biet der prächtige Neptun und das Urtheil des Paris anschliessen lassen. 
Dahin gehören ferner manche andere antike Stoffe, sowie die ver- 
schiedenen Kinderreigen. Wie sehr Rafael dabei gelegentlich auf an- 
tike Denkmäler zurückgriff, sie in seiner Weise frei verwendete und 
umbildete, zeigt das Urtheil des Paris, dessen Vorbilder sich in noch 
vorhandenen antiken Reliefs (Villa Medici und Pamfili) nachweisen lassen. 
Dass überhaupt Rafael in seinen späteren Schöpfungen Studien nach 
römischen Denkmälern, namentlich nach den Reliefs der Trajanssäule
        

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