Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270772
Buch. 
Kapitel. 
Kultur 
Die 
ital. 
Hochrenaissance. 
räthereien Papst Clemens VII. , ebenfalls eines Mediceers, die ewige 
Stadt ereilen sollte: jener Einnahme und Plünderung Roms durch das 
Heer Karls V., bei welcher die deutschen Landsknechte, verbunden 
mit der entmenschten spanischen Soldateska, der Unglückseligen ein 
Hunderttausendstel von dem Fluch und dem Unheil zurückgeben sollten, 
mit welchen das Papstthum seit einem halben Jahrtausend Deutschland 
heimgesucht hatte!  
In solche Umgebungen versetzt, hatte die italienische Kunst so 
 gut wie die gleichzeitige Poesie leicht höfisch und frivol werden können, 
wenn nicht ein Trieb zum Höchsten die edelsten Meister beseelt und 
hoch über dem Alltagstreiben in den Aether der Idee hinaufgehoben 
hätte. Von Michelangelo wissen wir, es aus zahllosen Stellen seiner 
Gedichte, von Rafael ebenfalls aus bezeichnenden Aeusserungen, dass 
es im Sinne der platonischen Lehre eine höchste Idee des Schönen 
war, deren Verwirklichung sie erstrebten. Alle Kunstwerke, welche 
jene Zeit hervorgebracht, bezeugen dies nicht minder laut und deutlich. 
Aber auch zu J ulius II. Ruhm muss es gesagt werden, dass er von 
der Kunst nicht das Kleine, Gefallige verlangte, sondern durchaus das 
Grosse und Gewaltige, und dass er ihr Aufgaben stellte, die ihrer 
vollen Kraft würdig waren. Auf die Weltbühne Roms versetzt, {iel 
somit alles Enge einer blossen Lokalkunst von ihr ab; an ihren grossen 
Aufgaben reifte sie selbst heran, entfaltete ihren freien, grossen Styl 
in ganzer Majestät, ward Weltkunst im höchsten Sinne des Wortes. 
Wie zu den Zeiten des Phidias schuf sie wieder aus den tiefsten An- 
schauungen ihrer Zeit Gebilde von unvergänglichem, allen Wechsel 
der Zeiten überdauernden Werthe. 
Dazu wirkte dann in entscheidender Weise die unmittelbare Be- 
rührung mit dem klassischen Alterthum. Noch uns Spätlebende erfasst 
ein neues Daseinsgefühl, wenn wir den Boden Roms betreten, wenn 
die ernste Grösse seiner aus Ruinen und Tausenden von Kunstwerken 
zu uns redenden Vergangenheit das Gemüth ergreift. Wie fallt da 
alles Kleinliche einer drückenden, beengenden Wirklichkeit von uns 
ab; wie erquickt sich die Seele im Verjüngungsbade antiker Herrlich- 
keit; wie fallen die Nebelschleier von dem befangenen Auge, das nun 
erst gewohnt wird den Sonnenglanz höchster Schönheit in sich aufzu- 
nehmen! Welches tiefere Gemüth erfahrt hier nicht eine Läuterung 
und Befreiung seines ganzen Wesens! Noch viel starker wirkte auf 
die Menschen der Renaissance diese grosse Vergangenheit. War es 
doch ein jugendliches Geschlecht in der ungebrochenen Frische erster
        

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