Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274188
334 
Buch. 
Kapitel. 
Rafael 
unter 
Leo 
in derselben Kapelle, welche durch den mit Rafael befreundeten Bild- 
hauer Lorenzetto in Marmor ausgeführt wurde. Ein Gleiches muss von 
einem kleinen Marmorwerk gelten, Welches, nach einer Erzählung des 
Plinius, einen todten Knaben auf einem Delphin darstellt. Von den 
vorhandenen Wiederholungen hat die in der Ermitage zu Petersburg 
befindliche am meisten Anrecht darauf, für das nach RafaeYs Entwurf 
von dem Bildhauer Pietro d'Ancona ausgeführte Werk zu gelten. Ein 
drittes dem Rafael zugeschriebenes plastisches Werk ist die herrliche 
in Wachs modellirte Büste eines jungen Mädchens im Museum zu Lille. 
Es ist von wahrhaft rafaelischer Anmuth, dürfte aber eher auf einen 
Meister wie Andrea della Robbia zurückzuführen sein.  
 In diese Zeit fallen auch RafaeYs Beziehungen zu Dürer. Vasari 
berichtet, der Nürnberger Meister habe sein mit Wasserfarben auf ganz 
feine Leinwand gemaltes Bildniss an Rafael zum Geschenk geschickt, 
welches dieser höchlichst bewundert und durch eine Anzahl Zeichnungen 
erwiedert habe. Auf dem oben (S. 395) erwähnten herrlichen Studien- 
blatt in der Albertina lesen wir in der That von Dürer's Hand ge- 
schrieben: „1515. Rafael di Ürbin, der bei dem Pobst so hoch geacht 
ist, hat diese nackte Bild gemacht und hat sie dem Albrecht Dürer 
gen Nürnberg geschickt, ihm seine Hand zu weisenff Schon früher 
wie es scheint war Rafael mit den in Italien viel verbreiteten Kupfer- 
stiehen Dürer's vertraut geworden. Eine Anzahl solcher Blätter, viel- 
leicht ebenfalls Geschenke des deutschen Meisters, hatte er in seiner 
Werkstatt immer um sich. Zugleich aber lernte er in Rom den be- 
rühmten Kupferstecher lllarcantonio Raimondi kennen, der schon seit 
1505 etwa sich an den Werken Dürer's gebildet hatte. Vasari er- 
zählt nun, Rafael sei durch die Stiche Dürer's veranlasst worden eben- 
falls zu zeigen, was er in dieser Kunst vermöge, und er setzt hinzu: 
„Desshalb liess er den Marcantonio aus Bologna vielfache Uebungen 
in dieser Kunst anstellen." Neuerdings entdeckte man in der Samm- 
lung der Akademie zu Düsseldorf einen Stich der in Wolken thronenden 
Madonna f), und später ein zweites Exemplar im Kupferstichkabinet zu 
Madrid, "welches eine auch von Marcanton gestochene Composition 
RafaePs (Bartsch 47) wiedergiebt und. wegen der unleugbar grösseren 
Feinheit der Empfindung und Zartheit der Ausführung als eigenhändige 
Arbeit RafaePs in Anspruch genommen wurde. Die Sache ist nicht 
so undenkbar, wie man sie wohl dargestellt hat, denn da die Composition 
Müller, 
Kupferstich 
RafaePs 
Düsseldorf 1860. 
Mit Facsimile.
        

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