Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274153
Badezimmer 
Bibbienafs. 
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gemalt zu haben; später aber musste Maratti fast Alles übermalen, 
wodurch dann das harte Blau des Hintergrundes und die grellen Töne, 
sowie die scharfen Umrisse der Figuren entstanden. Von den köst- 
lichen in Rothstift ausgeführten Studien des Meisters notiren wir, ausser 
den schon erwähnten Grazien, den Bacchus in der Ambrosiana (Br. 129), 
die Muse mit der Lyra in der Albertina (Br. 168), ebenda Venus bei 
Ceres und Juno (Br. 200), Psyche mit dem Salbgefäss der Venus er- 
scheinend, im Louvre (Br. 257), ebendort Amor und Psyche beim Gast- 
mahl, Merkur die Psyche hinaufführend in Weimar (Br. 144), 
Demselben Anschauungskreise gehören die Dekorationen an, mit 
welchen Rafael durch seine Schüler das Badezimmer des Kardinals 
Bibbiena im Vatikan schmücken liess. Die Arbeit fällt in's Jahr 1516, 
denn am 19. April dieses Jahres schreibt Pietro Bembo an den Kardinal, 
Rafael lasse ihn um die weitere Bezeichnung der Gegenstände für sein 
Badezimmer ersuchen, da die früher angegebenen noch in derselben 
iVoche gemalt würden. Dieses im dritten Stock des Vatikans über 
den rafaelischen Loggien liegende Gemach ist leider seit langer Zeit 
unzugänglich, so dass wir nur nach alten Kupferstichen urtheilen können. 
Offenbar hat die Entdeckung der Titusthermen mit ihrem reichen 
malerischen Schmuck auf die Ausführung des Ganzen eingewirkt. Die 
Wände enthalten in jedem Felde auf rothbraunem Grunde grössere 
Gemälde im Stil der Antiken. Das Thema bildet das heitere Reich 
der Venus und des Amor, nach heutigen Begriffen wenig passend für 
einen Kirchenfürsten, um so bezeichnender für den sinnlich über- 
müthigen Geist des damaligen römischen Hofes. Das erste Feld schildert 
die Geburt der Venus aus dem Meeresschaume; die fast vom Rücken 
gesehene Figur ist voll Anmuth in Bewegung und Ausdruck. Nicht 
minder schön und lebendig ist das zweite Bild, wo Venus und Amor 
auf Delphinen über die Meerfiuth dahin ziehen. Im dritten klagt die 
verwundete Venus unter einem Baume sitzend dem Amor, auf dessen 
Schulter sie sich stützt, ihre Schmerzen. Auch diese Composition, zu 
welcher eine Röthelstudie sich in der Albertina beiindet, ist von hoher 
Schönheit. Weit geringer und zugleich minder unschuldig ist das fol- 
gende Bild, welches Antiope von Jupiter in der Panmaske belauscht 
darstellt. Hier zeigt sich auch in der Erfindung die Hand des Giulio 
Romano. Dagegen ist das nächste Bild: Venus, die sich einen Dorn 
aus dem Fusse zieht, von acht rafaelischer Schönheit. Die beiden 
letzten: Venus und Adonis in zärtlichem Beisammensein, sowie Minerva, 
die sich gegen die Zudringlichkeiten Vulkans sträubt, sind wieder von
        

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