Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274140
330 
Buch. 
Kapitel. 
VII. 
unter Leo 
Rafael 
Mars mit Helm und Lanze aufmerksam der Verhandlung folgen und, 
ganz in Schatten gehüllt, zur Vertiefung der Composition trefflich bei- 
tragen. Neben ihm sitzt die lichte Gestalt des Apoll, der sein lockiges 
Haupt wie fragend gegen Bacchus wendet und mit der Bewegung der 
ausgestreckten Rechten diese Geberde unterstützt. Dann folgt der 
athletische Herkules, der auf die Keule gelehnt, sich behaglicher Ruhe 
erfreut, während Vulkan "hinter ihm die Reihe der Götter abschliesst. 
Zwei Flussgötter, neben welchen eine Sphinx angeordnet ist, bilden 
behaglich ausgestreckt einen prächtigen Vordergrund für diesen Theil 
der Composition. Dann folgt im Beisein des Janus der Götterbote, 
welcher der schüchtern dastehenden Psyche, an deren Knie sich ein 
kleiner Liebesgott schmiegt, den Trank der Ünsterblichkeit darreicht. 
Das zweite grosse Bild schildert das Festmahl der Götter. Wir 
sehen sie alle im frohen Verein an der geschmückten Tafel, zu oberst 
Zeus mit der Juno, Welchem Ganymed, in lebhafter Bewegung nieder- 
knieend, die Schaale darreicht. Neben dem Göttervater lagert, ganz in 
sein Glück verloren, das neuvermählte Paar, hinter ihm stehen die 
Grazien (der herrliche Röthelentwurf Rafaefs in der Windsorsammlung 
Nr.  von denen die erste Wohlgerüche auf das Haupt der Psyche 
niedertraufelt, während im Vordergrunde Bacchus den Göttertrank 
mischt und zwei lieblichen Genien die Schaalen füllt. Neben dem 
Herrscherpaar erblickt man Neptun und Amphitrite in lebhafter Unter- 
haltung mit Juno; dann folgt, in düsteres Brüten verloren, Pluto und 
neben diesem die anmuthige Proserpina, die sich glücklich zu schätzen 
scheint, der Unterwelt entrückt auf den sonnigen Höhen des Olympos 
das Licht zu athmen. Ueber diesen Gruppen schweben mit Schmetter- 
lingsflügeln die Horen, die mit anmuthigen Bewegungen Rosen auf 
die Tafel herabstreuen. An der vorderen Seite der Tafel sieht man 
die herrliche nackte Figur der Hebe auf Kissen lagern und den neben 
ihr sitzenden Herkules auf das junge Paar aufmerksam machen. Den 
Abschluss der Götterreihe bildet der vereinzelt stehende Vulkan, der 
mit gemischten Empfindungen zuschaut, wie seine Gemahlin Venus, 
welcher Apollo und Pan aufspielen, sich anmuthvoll im Tanze bewegt. 
Vor ihr schreitet ein kleiner Amor mit leerem Köcher und hinter ihr 
schliesst der Chor der Musen das Bild ab, die mit süssem Gesang das 
Fest verherrlichen. Die Ausführung des ganzen Cyklus liess gewiss 
schon anfangs Manches zu wünschen, da Rafael nicht selbst Hand 
daran legen, sondern seinen Schülern die Arbeit überlassen musste. 
Francesco Penni scheint die Deckenbilder, Giulio Romano das Uebrige
        

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