Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274130
Während sodann Amor mit der schnell errungenen Psyche sich liebend 
vereint, hat die Fama seinen Verrath der Venus berichtet. Wir sehen die 
Göttin auf dem dritten Bilde ihr Leid der J uno und Ceres klagen (Fig. SO). 
Ueberaus bezeichnend ist hier die Geberde der Juno, die deutlich aus- 
spricht, dass da nichts zu machen sei. Auf dem vierten Bilde eilt die 
erzürnte Venus auf ihrem Taubenwagen zum Vater Zeus, um ihm ihre 
Noth zu klagen (Fig. 80). Sie erscheint dann (V) mit der rührenden 
Geberde einer Hilfebedürftigen vor dem Vater der Götter, der sich 
mitleidig ihren Bitten neigt. Dann wird Merkur entsendet  um 
die Schuldige aufzusuchen. Diese Figur ist eine der schönsten der 
ganzen Reihe, wunderbar leicht in schwebendem Aufsteigen und un- 
übertrefflich in den Raum componirt. Nach vielen Fährlichkeiten, die 
der Künstler übergeht, Weil ihre Schilderung dem eng begrenzten 
Raum widerstrebt hätte, sehen wir Psyche endlich (VII), von Amorinen 
getragen, mit der Salbenbüchse der Proserpina triumphirend empor 
schweben. Die holde Gestalt, umringt von den drei reizenden Genien, 
deren einer ihr den emporgehaltenen Arm stützt, ist wiederum von 
zartester Schönheit. Auf dem folgenden Bilde (VIII) erscheint sie mit 
dem Gefass vor ihrer Feindin, die vor Erstaunen und Unwillen beide 
Arme ausstreckt, ohne sich von dem angstvoll flehenden Blick der 
Demüthigen rühren zu lassen. Nun eilt Amor zu Jupiter, ihn um 
Gnade für die so lange Gequälte anzuiiehen. Der Göttervater herzt 
den Knaben väterlich und sagt ihm Gewährung zu. Endlich auf dem 
letzten Bilde führt Merkur die Geprüfte, in deren auf der Brust ge- 
kreuzten Armen und zweifelvoll staunendem Blick man erkennt, dass 
sie ihr Glück noch kaum zu fassen Weiss, zu den Göttern empor (Fig. 81). 
Alle diese Bilder sind auf himmelblauem Grunde gemalt und von reichen 
Fruchtschnüren eingefasst, Welche Giovanni da Udine ausgeführt hat. 
An der Decke endlich liess Rafael in zwei grossen Bildern, die 
Wie Teppiche ausgespannt sind, die Aufnahme der Psyche unter die 
Götter und das I-Iochzeitsmahl darstellen. Auf dem ersten Bilde sieht 
man Venus und Amor als klagende Parteien vor dem Thron des Götter- 
vaters erscheinen, der in ernstem Nachsinnen die Sache erwägt. Neben 
ihm sitzt Juno und hinter ihr stehen Diana und Minerva, die alle drei 
mit Wohlwollen auf den sich vertheidigenden Amor blicken. Düsterer 
8011311611 P11lt0 und Neptun auf die Anklägerin und füllen zugleich" mit 
ihren Gestalten auf's Glücklichste die Lücke der Composition. Die 
helle Figur der Venus bildet einen scharfen Einschnitt und tlieilt die 
Hauptgruppe von der folgenden ab. Hier sieht man den gepanzerten
        

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