Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274094
Farnesina. 
Galatea 
und 
Polyphenx. 
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Venus aufführt. Man sieht die schöne Geliebte des Polyphem auf ihrem 
von zwei Delphinen gezogenen Musehelwagen über die Meeresfluth da- 
hiniahren. Während sie mit beiden Händen die Zügel hält, Wendet 
sich der schöne Kopf rückwärts und verleiht der Figur eine Bewegung 
voll kräftiger Anmuth. Der frische Meereswind spielt in dem aufge- 
lösten Loekenhaar und wirft den Mantel, der nur einen Theil der schönen 
Glieder verhüllt, wie ein flatterndes Segel zurück. Rings umspielen 
die halb thierisehen Geschöpfe der Salzüuth mit ausgelassenem Muth- 
Willen die herrliche Gestalt, vorn umarmt ein rauher Triton zudring- 
lieh eine Nymphe; ein anderes Paar sehen wir weiter im Hintergründe 
rechts, während andere Tritonen lustig auf ihren Musehelhörnern blasen. 
Drei Liebesgötter, die in den Lüften schweben, senden ihre Pfeile auf 
die muntere Gesellschaft, ein vierter taucht hinter Wolken auf und 
ein fünfter hat sich in übermüthiger Lust in's Meer gestürzt, wo er 
schwimmend die Hauptgruppe begleitet. Ein berauschender Klang ge- 
steigerter Daseinslust weht durch das schöne Bild, das uns den über- 
müthigen Frohsinn der goldenen Renaissaneezeit mit vollen Zügen 
schildert. 
Das zweite Wandgemälde desselben Saales, welches den Poly- 
phem darstellt, hat so starke Beschädigungen und Uebermalungen er- 
litten, dass über RafaeYs Urheberschaft kaum noch zu urtheilen ist. 
Der Riese ist auf einem Felsen unter einer Eiche sitzend dargestellt. 
In der Linken einen Ast haltend, lässt er die Rechte mit der Hirten- 
flöte müssig herabhiingen, um sehnsüchtig nach Galatea auszuschauen, 
die er drüben mit ihren übermüthigen Gefährten erblickt. Wichtig 
für die künstlerischen Anschauungen Ralfaelis ist ein Brief, den er in 
dieser Zeit an den Grafen Castiglione schrieb. „Was die Galatea be- 
trifft, so würde ich mich für einen grossen Meister halten, wenn nur 
die Hälfte von den schönen Dingen wahr wäre, welche mir Ew. Herrl. 
schreiben; aber ich erkenne in Euren Worten die Liebe, die Ihr zu 
mir habt. Ich muss sagen: um eine Schönheit zu malen, müsste ich 
deren mehrere sehen, mit der Bedingung, dass Ew. Herrl. sich bei 
mir befänden, um das Beste zu wählen. Da aber gute Richter und 
schöne Weiber Selten sind, so bediene ich mich einer gewissen 
Idee, die mir vorsehwebt. Ob diese nun etwas Gutes in der 
Kunst hat, weiss ich nicht, wohl aber bemühe ich mich darum." Wie 
eifrig er die Natur studirte und wie hoch seine Kunst. doch über der 
Zufälligkeit der Einzelerscheinung- stand, lässt sich nicht klarer aus- 
sprechen.
        

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