Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274073
psychologischer Feinheit die verschiedensten Stimmungen eines skep- 
tischen und doch in dieser Skepsis von der Gewalt der Wahrheit ge- 
troffenen Hörerkreises sich ausspricht. Während die ihm zunächst Sitzen- 
den lebhaft zu disputiren beginnen, ist die Gruppe der Weiter abseits 
Stehenden von prägnanter Mannichfaltigkeit des Ausdrucks. Ein Mann 
mit energischem, von dichtem Kraushaar beschatteten Kopfe hüllt 
sich in seinen Mantel und versinkt völlig in tiefstes Nachsinnen. Neben 
ihm stützt ein kahlköpfiger Greis sich mit beiden Händen auf den Stab 
und scheint mit kritischen Blicken den Redner zu durchbohren. Mit 
weicherer Hingebung lauscht ein jüngerer Mann. neben ihm, beide 
Arme in den Mantel gehüllt und aufmerksam an den Lippen des Apostels 
hängend, während ein Alter daneben den Zeigefinger an die Nasen- 
spitze legt und mit geneigtem Haupte der Beweisführung des Redners 
prüfend zu folgen scheint. Hinter dem Apostel endlich hocken und 
stehen noch drei Männer, die ebenfalls mit gemischten Empfindungen 
lauschen. Die einzigen, die in wirklicher Begeisterung und freudiger 
Hingebung dem Redner folgen, sind die im Vordergrunde rechts mit 
halber Figur in das Bild hineinragenden Gestalten eines Mannes und 
einer Frau, von denen namentlich ersterer in dem aufflammenden Blick 
und den freudig ausgestreckten Händen warmes Ergriffensein ausdrückt. 
Man darf in ihnen wohl den Areopagiten Dionysius und die Damaris, 
welche die Apostelgeschichte aus der Zahl der Bekehrten hervorhebt, 
erkennen. Den Mittelgrund nimmt eine Nachbildung des berühmten 
Tempietto bei S. Pietro in Montorio ein, und so hat Rafael hier dem 
Bramante seine Huldigung dargebracht. Vor dem Gebäude erhebt sich 
eine Statue des Mars. 
Die Schönheit der architektonischen Gründe auf den letzten Bil- 
dern wetteifert mit der Poesie der Landschaften auf den erstern. Die 
Grossartigkeit der Gestalten, der freie Stil der Gewänder, die Fülle 
der Charakteristik und die psychologische Kraft in der Schilderung 
sowohl der leidenschaftlichen Affekte als der zarteren, mehr verschleierten 
Gemüthsstimmungen erheben diesen ganzen Cyclus auf die Höhe drama- 
tischer Schilderung und idealen Stiles. In der markigen Wucht der 
Zeichnung, in der Breite und Kraft der malerischen Behandlung ent- 
sprechen diese Werke am meisten den gleichzeitig entstandenen Bildern 
in der Stanze des Heliodor. Dass im Ganzen auf diesen kühneren, 
grossartigeren Stil die sixtinische Decke eingewirkt hat, lässt sich nicht 
verkennen. Aber ebenso gewiss ist, dass Rafael auch hier ganz er 
selbst bleibt und seine eignen Wege verfolgt. Eine schöne Sepiazeich-
        

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