Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1274018
Teppiche: 
Petri. 
F ischzug 
317 
Armen heran, als wolle er seine völlige Ergebenheit ausdrücken. In 
diesen drei Gestalten erschöpft sich auf's Vollkommenste der geistige 
Inhalt der Scene. Meisterhaft ist daher von Rafael in dem folgenden 
Schiff die Thätigkeit der beiden andern Gefährten nur auf die Arbeit 
an den Netzen concentrirt, denn mit aller Anstrengung sich bückend, 
suchen sie das bis zum Bersten gefüllte Netz empor zu ziehen, während 
ein dritter als Ferge den Kahn steuert. 
Einen überaus werthvollen Einblick in die Geschichte der Compo- 
sition gestattet ein Blatt der Albertina (BrÄ 141), das zwar schwerlich 
als eigenhändige Arbeit RafaePs, wohl aber als Kopie nach einem ersten 
Entwurf aufzufassen ist. Hier sieht man die beiden Schiffe in grösserer 
Entfernung vom Lande, im Vordergrunde dagegen am Ufer prachtvolle 
Gruppen von Frauen mit Kindern und mehrere bedeutsame Männer- 
gestalten. Mit Recht hat Rafael diese Gruppen bei der Ausführung 
völlig unterdrückt, denn sie lenken zu sehr von der Hauptsache ab. 
Dagegen hat er als indifferente, aber ungemein stimmungsvolle Staffage 
einige Reiher an's Ufer gesetzt, die mit weit aufgesperrten Schnabeln 
ihren Antheil am Fischfang verlangen. Auch darin zeigt sich der erste 
Entwurf untergeordnet, dass Andreas mit Rudern beschäftigt ist, wäh- 
rend er in der Ausführung durch seine hingebende Geberde das Flehen- 
des Petrus so schön unterstützt. Auch der feine Zug, dass im zweiten 
Kahn der jüngere Fischer in voller Arbeit doch den Kopf nach der 
Hauptgruppe wendet und dadurch auf's Glücklichste beide Gruppen mit 
einander in Beziehung setzt, fehlt in diesem Entwurf. Wie endlich 
Rafael den ganzen Nachdruck auf die Hauptgestalten zu concentriren 
wusste, indem er die Volksgruppen ganz in den Hintergrund auf das 
jenseitige Ufer verwies und dadurch seinem Werke den einheitlich 
geschlossenen grossen historischen Charakter gab, bedarf kaum der 
Erörterung. (Die lTuschzeichnung in Windsor lNr. 8] kann nicht als 
Originalarbeit Rafael's gelten.) 
 Es folgt nun die Uebergabe der Schlüssel, nach dem Evan- 
gelium Johannis XXI, 15. Wir befinden uns wieder am Ufer des Sees 
Genezareth. (Fig. 78). Man sieht zur Rechten die Spitze des Kahns, 
in welchem Christus mit seinen J üngern eben gelandet ist. Links steht 
der Heiland, von einem weissen mit Sternen besäetemMantel umhüllt, 
der die Brust und den linken Arm frei lässt. In dieser Isolirung Wirkt 
-die herrliche Gestalt mit dem milden und doch ernsten Antlitz, das, 
uns die ganze göttliche Hoheit des Meisters empünden lässt, doppelt 
bedeutsam, durch den grossartigen Wurf des Mantels feierlich gehoben.
        

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