Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273995
Teppiche 
Die 
Sixtixma. 
der 
315 
in der Sammlung zu Oxford (Br. 52) eine herrliche Federzeichnung, 
welche den ersten Entwurf der Hauptgruppen enthält. Hier ist nicht 
bloss Christus und die Madonna empündungsvoller gezeichnet, sondern 
durch die Apostelftirsten und je zwei weitere Heilige zu den Seiten 
des Thrones der Composition grössere Fülle gegeben. Offenbar musste 
Rafael auf papstliehes Geheiss hier den Johannes und Hieronymus ein- 
treten lassen, weil der eine den Taufnamen, der andere in seinem 
Löwen den Papstnamen Leo's andeutete. Eine Variante dieses Ent- 
wurfs ist in einer Kopie des Louvre (Br. 278), eine weitere nach dem 
endgültig festgestellten Entwurf in der Ambrosiana (Br. 133) erhalten. 
Die Steinigung des Stephanus ist eine Composition von hoher 
dramatischer Bedeutung. Der jugendliche Heilige ist unterwegs, von 
der Meute seiner Verfolger bedrängt, ohnmächtig zusammengebrochen. 
Man sieht diese von der Rechten herantoben, während ein Freund den 
Gequälten in seinen Armen auffangt. In den Wolken erscheinen Gott- 
vater und Christus als Gewahr der himmlischen Glückseligkeit. Ein 
erster Entwurf in der Albertina (Br. 163) zeigt hauptsächlich darin eine 
Aenderung, dass der Heilige in der Mitte kniet und seine Verfolger 
ihn von beiden Seiten umdrängen. Offenbar fand der Künstler diese 
Anordnung zu symmetrisch und er zog daher eine mehr dramatisch 
malerische vor. 
Von noch kühnerer Bewegung und noch leidenschaftlicher ist die 
Bekehrung des Saulus. Die wunderbare Erscheinung Christi hat ihn 
zu Boden geworfen und sein Ross in die Flucht gejagt, welches man 
im Hintergrunde links sich heftig gegen zwei Diener, die es zu halten 
suchen, sträuben sieht. Alles drängt sich um den am Boden Liegenden, 
der mit den Zeichen des Entsetzens die Arme ausstreckt wie zum 
Schutz gegen die himmlische Erscheinung.- Vortreiflich ist namentlich, 
wie die Begleiter von Schreck gebannt einen leeren Raum um den am 
Boden Liegenden bilden. Einfacher, aber nicht minder dramatisch ist 
der schmalere Teppich, welcher Paulus im Kerker schildert, durch 
das Erdbeben aus seiner Haft befreit. Dieses ist durch die mächtige 
Figur eines Riesen in einer Höhle angedeutet, der mit den Händen 
und den angestemmten Schultern das Gewölbe aus den Fugen treibt, 
Zwei Schergen verrathen den höchsten Schrecken, der Apostel aber 
mit dem Ausdruck ruhigen Gottvertrauens kniet betend in der Mitte. 
Es folgt nun die Reihe der erhaltenen Kartons, die mit dem 
Fischzug Petri, nach dem Evangelium Lncas V, 7 beginnt. (Fig. 77.) 
Ein köstlicher Hauch von Morgenfrische ruht auf dem von sanften
        

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