Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270750
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III. 
Buch. 
Kapitel. 
Die 
Hochrenaissance. 
Kultur der ital. 
Ausdruck kommt, so offenbart sich hier das ganze Naturellnnd die 
vielseitige Begabung eines edel gearteten Volkes in seiner Vollkraft. 
Entschieden wurde das Schicksal der bildenden Künste dadurch, 
dass sie ihren Hauptsitz nach Rom verlegten. Während der Entwick- 
lungsepoche des 15. Jahrhunderts war Florenz der Vorort, die Wiege, 
die Heimath der Künste gewesen. Die frische Luft eines Freistaates, 
"der lebendige Hauch des strebsamen Bürgerthums, aus welchem sich 
die fürstengleiche Macht der Mediceer erhob, alle höhere Bildung in 
Wissenschaften und Künsten fördernd, das Waren die naturgemässen 
lebenschaffenden Bedingungen für die Entfaltung einer Kunst, die in 
rastlosem Fortschreiten seit Cimabue und Giotto unaufhaltsam dem 
höchsten Ziele nachgestrebt hatte. Als die Kunst alle Gebiete des 
Erkennens und Darstellens durchmessen und sich nun zum straffen 
Zusammenfassen ihrer reichen Gaben anschickte, da wollten es günstige 
Gestirne, dass ihrer höchsten Bethätigung der grösste Schauplatz ge- 
öffnet wurde. Wohl wirkte auch in Florenz noch eine Reihe bedeu- 
tender Meister, die in ihrer Weise an der Entwicklung des freien, 
grossen Stils theilnahinen, und erst als mit dem letzten Aufstand gegen 
die Medici (1.527) und der heldenmüthigen aber vergeblichen elfmonat- 
liehen Vertheidigung der Stadt gegen das überlegene Heer des Kaisers 
die Freiheit für immer zu Grabe getragen ward, sank auch unauf- 
haltsam die Kunst und liess nur noch einem mattherzigen hötischen 
Epigonenthum Raum. Ihre neue Heimath hatte sie längst in Rom 
gefunden, seit durch Julias H. Meister wie Brainante, Michelangelo, 
Rafael dorthin berufen worden waren. Und hier strahlt nun neben 
den tiefen Schatten, welche die sittlichen Zustände der ewigen Stadt 
uns enthüllt hatten, ein glänzendes Bild uns entgegen, mehr als Alles 
geeignet, uns mit jenem Dunkel auszusöhnen. Denn wie in der mora- 
lischen Welt Nichts als absolut schlecht hingestellt werden. kann, wie 
in der Nacht tiefster sittlicher Versunkenheit uns noch ein Hoffnungs- 
schimmer tröstet, so ist im Leben einer grossen Stadt nicht Alles .von 
dem Schmutz entstellt, der sich gern auf der Oberfläche breit macht. 
Und so finden wir im damaligen Leben Roms genug Züge des Edlen, 
Hohen, Schönen, die uns die Gegensätze bald vergessen machen. 
Vor Allem war Rom von altersher mit dem feierlichen Glorien- 
schein der Weltherrschaft umgeben, der im wiedcrbelebten Studium 
des klassischen Alterthums neu auflebte und eine höhere Weihe empfing. 
Wie auch das Priesterthum entartet sein mochte, Rom war doch wieder 
das Haupt der Welt, die Vertreterin der höchsten Idee, deren die
        

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