Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273973
Die 
und 
Teppiche 
derselben. 
Kartons 
die 
313 
Stephanstage, den 30. Dezember 1519, schmückten sie bereits die 
Sixtina zur höchsten Bewunderung der Zuschauer. Aber schon nach 
zwei Jahren, nach dem Abscheiden Leo's X. wurden sieben von ihnen 
durch die päpstliche Kurie gegen 5000 Dukaten bei einem Pfandleiher 
versetzt, um die Kosten des Conclavds zu bestreiten. Bei der Er- 
stürmung Roms 1527 fielen mehrere Teppiche in die Hände der Plün- 
derer und wurden in alle Welt zerstreut, so dass später einzelne Stücke 
sich in Lyon, ja sogar in Constantinopel wieder fanden und auf schicksals- 
vollen Umwegen wieder in den Vatikan gelangten. Zur französischen 
Revolutionszeit, nach der Flucht Pius VI., wurden sie öffentlich ver- 
steigert und kamen erst 1808 nach vollen zehn Jahren durch Pariser 
Kunsthändler wieder in päpstlichen Besitz. Fortan wurden sie, da 
ihre Pracht durch die vielen Schicksale stark verblichen war, den 
vatikanischen Kunstsammlungen einverleibt. Ein zweites Exemplar der 
Teppiche, in derselben Werkstatt ausgeführt, neun an der Zahl, be- 
fand sich ursprünglich im Besitz König Heinrichs VIII. von England, 
schmückte bis zum Tode Karls I. den Palast von Whitehall und 
gelangte nach manchen Wanderungen in das Berliner Museum. Ein 
drittes befindet sich im königlichen Schlosse zu Madrid, ein viertes, 
aus sechs Tapeten bestehend, kam angeblich als Geschenk Leo's X. 
an Kllrfürst Friedrich den Weisen und befindet sich jetzt in der Galerie 
zu Dresden. Diese letzteren sind ohne Anwendung von Gold gewirkt, 
Während die andern Exemplare durch reichen Zusatz von Gold für die 
Lichter sich auszeichnen. 
Da alle diese Werke schon durch die mehr handwerklich tech- 
nische Herstellung an Unmittelbarkeit erheblich verloren haben und 
durch das Ausbleiben der Farben sowie durch die mannichfachen Schick- 
sale noch mehr Einbusse erleiden mussten, so ist es vom höchsten Werthe, 
dass sieben der von Rafael mit Unterstützung seiner tüchtigsten Schüler 
ausgeführten Kartons, die als Vorlagen für die Weber dienten, auf 
uns gekommen sind. Auch diese freilich haben mancherlei Schicksale 
erlebt. In einzelne Theile zerschnitten, wie die Technik der Weber 
es verlangte, blieben sie in der Fabrik zu Brüssel zurück, wo man 
noch weitere Kopien danach ausführte. Erst Rubens soll sieben der- 
selben aus ihrer Vergessenheit hervorgezogen und vom völligen Unter- 
gang gerettet haben; durch ihn auf diese köstlichen Schätze aufmerk- 
sam gemacht, verfügte Karl I. ihre Erwerbung für seine Sammlungen, 
Nach seiner Hinrichtung, als alle übrigen Kunstschätze versteigert 
wurden, erwarb Oliver Cromwell sie um 300 Pfund für den Staat. In
        

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