Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273963
312 
Buch. 
Kapitel. 
Rafael 
unter 
Leo X. 
Kunst der neueren Zeiten hat in dieser besonderen Gattung nichts von 
nur annähernd gleicher Anmuth hervorgebracht. Wie weit RafaePs 
eigner Antheil bei den Entwürfen gegangen ist, wird sich wohl nie 
feststellen lassen. Es giebt einzelne Originalskizzen mit der Feder 
oder in schwarzer Kreide, die sicher von RafaePs Hand sind; so in 
der Albertina der Kampf Davids mit Goliath, in Windsor die Ver- 
treibung aus dem Paradiese (s. oben) und die Verlosung des Landes 
Oanaan (Nr. 12), in Oxford eine Rothstiftskizze für die Frauen auf 
der Findung Mosis. Andere Entwürfe, die in flüchtiger aber geist- 
reicher Weise mit der Feder gezeichnet, mit Sepia getuscht und mit 
Weiss gehöht sind, wird man zum Theil wohl ebenfalls auf ihn zurück- 
führen dürfen. Manche darunter freilich werden von Giulio Romano 
und andern seiner Schüler herrühren, denn es lässt sich denken, dass 
er ihnen auch beim Entwerfen vielfach freie Hand liess und sich selbst 
nur Einzelnes vorbehielt. 
Noch eine Bemerkung, welche das feine Gesetz der dekorativen 
Wirkung an's Licht stellt, ist hier am Platze. Die ornamentale Ein- 
fassung der Bilder wechselt in den einzelnen Kuppeln und zeigt die 
grösste Mannichfaltigkeit. Aber auch darin herrscht ein bestimmtes 
Gesetz. Die letzte und die erste sind gleichartig behandelt, ebenso 
die darauf folgenden und so fort bis zur mittleren der ganzen Reihe, 
die für sich in besonderer Weise ornamental behandelt ist. Der beste 
Beweis, dass ein planvoll ordnender Geist hier Alles beherrscht und 
durchdringt. 
Neben allen diesen grossen Unternehmungen, welche allein schon 
die Kraft und Zeit eines tüchtigen Mannes in Anspruch zu nehmen 
vermöchten, hatte Rafael noch manches Andere auszuführen und zu 
leiten. In erster Linie unter diesen Arbeiten stehen die Entwürfe zu 
den elf Teppichen, mit welchen Leo X. den Schmuck der sixtinischen 
Kapelle zu vervollständigen gedachte. Zahlungsvermerke aus dem Jahre 
1515 und dem folgenden deuten an, dass gegen Ende 1516 die Arbeit 
abgeschlossen war. Wir dürfen annehmen, dass zwei volle Jahre mit 
dem Entwerfen und Ausarbeiten dieser grossen Werke hingingen. Sie 
wurden dann in Flandern gewebt, wo man in der Regel solche Arbeiten 
ausführen liess, die von der dafür berühmtesten Stadt bei den Italienern 
allgemein die Bezeichnung „Arazzi" trugen. Indess hat ein neuerer 
Kunstforscher  Müntz) es zu höchster Wahrscheinlichkeit erhoben, 
dass die Ausführung der rafaelischen Teppiche nicht in Arras, sondern 
in Brüssel und zwar in der Fabrik Pieters van Aelst stattfand. Am
        

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