Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273921
308 
Buch. 
Kapitel. 
Rafael unter Leo 
und zugleich so herrlich sein künstlerisches Glaubensbekenntniss ab- 
gelegt wie hier. Denn anstatt der unnahbaren Hoheit der Sibyllen der 
Sixtina, entzückt uns hier die ganze liebenswürdige rafaelische Anmuth, 
und obwohl auch diese Gestalten von schwungvoller Begeisterung 
erfüllt sind, so bleiben sie uns doch durch die milde Schönheit der 
Köpfe, durch die entzückende Anmuth der Gewänder und den Adel 
der Bewegungen menschlich nahe. Hier ist nichts Gewaltsames zu 
überwinden, sondern wie eine holde Melodie schmeicheln sich die 
Formen in unsre Seele, und das Auge wird nicht müde, die reiche 
Mannichfaltigkeit des rhythmischen Lebens, die köstlichen zur Harmonie 
verbundenen Contraste, die bei aller Freiheit hohe architektonische 
Gesetzmässigkeit zu bewundern. Auch die Farbenwirkung ist voll 
feiner Harmonie; von einem braunen Grunde heben sich die lichten 
Gestalten in warmer, klarer ,Färbung ab; die Modellirung ist in zarten 
luftigen Tönen ohne alle Schwere durchgeführt; in den Gewändern 
giebt das Gelb den Grundakkord an. Eine geistvolle Röthelstudie zu 
der an den Bogen gelehnten Sibylle befindet sich in Oxford (Br. 41), 
die köstliche Studie zu dem links schwebenden Engel, nackt und be- 
kleidet, in der Albertina (Br. 1.65). Üeber den Sibyllen malte Timoteo 
Viti nach RafaePs Entwürfen vier Propheten, würdevolle Gestalten, in 
deren Gewändern aber unruhig schillernde Farbentöne sich bemerklich 
machen. Eine treffliche Röthelstudie RafaePs zum Daniel sieht man 
in den Uffizien (Br. 497). 
Hatte der Meister bei den Sibyllen noch überwiegend eigenhändig 
sich der Ausführung widmen können, so musste er dagegen bei einem 
weiteren grossen Auftrage für den Vatikan sich in umfassender Weise 
seiner Schüler bedienen. Es galt, die Loggien in dem von Bramante 
erbauten Hofe des h. Damasus mit Fresken zu schmücken, und zwar 
jenen Flügel dieser offenen Pfeilerhallen, welcher sich den Stanzen 
unmittelbar vorlegt. Die dreizehn mit Flachkuppeln überwölbten Ar- 
kaden des zweiten Stockwerke sollten mit gemalten Ornamenten und 
Stuckdekorationen geschmückt werden, welche in dem Reichthum einer 
geradezu unerschöpflichen Phantasie, in der geistvollen Aufnahme und 
Fortbildung antiker Dekorationen, in dem zauberischen Spiel der Far- 
ben unvergleichliche Pracht mit köstlicher Heiterkeit verbinden. Gio- 
vanni da Udine war es namentlich, der sich durch die Ausführung 
dieser Dekoration seinen Ruhm erwarb. (Fig. 74.) Die Kuppelgewölbe 
aber theilte Rafael in vier Felder, auf welchen er zweiundfünfzig Scenen 
aus der Bibel, mit Ausnahme von vieren ausschliesslich dem alten
        

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