Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273904
306 
Buch. 
Kapitel. 
Rafael 
unter 
Leo 
Die beiden andern Bilder stehen an Werth erheblich hinter jenen 
zurück. Das erste schildert die Krönung Karls des Grossen durch 
Leo III., der wieder mit den Zügen des regierenden Papstes auftritt. 
Dafür hat Karl, einer politischen Anspielung und dem Bündniss des 
Papstes mit Frankreich zu Liebe, die Züge Franz I. erhalten. Das 
Ganze ist ein Ceremonienbild, das durch geschickte Anordnung und 
durch charaktervolle Porträtgestalten Interesse gewinnt, während sich 
der Künstler durch einige nackte Gestalten, welche Prachtgeräth herbei- 
schleppen, schadlos zu halten sucht. Immerhin erkennt man auch hier 
den Meister grossen historischen Stils. Das letzte Bild schildert den 
Reinigungseid Leo's III. Dieser hatte Karl den Grossen gegen die 
aufrührerischen Barone Roms zu Hülfe gerufen. Karl erschien und 
forderte beide Parteien vor seinen Richterstuhl. Der Papst weigerte 
sich zwar die richterliche Gewalt anzuerkennen, erbot sich aber frei- 
willig einen Reinigungseid abzulegen. So sehen wir ihn auf der Freske, 
von zahlreichem Gefolge umgeben, vor dem Altar des h. Petrus stehen 
und auf das offene Evangelienbuch schwören. Im Vordergrunde rechts 
hat Rafael die stolze Gestalt eines der Widersacher des Papstes mit 
trotziger Geberde dargestellt, links dagegen die imposante Figur des 
Kaisers in prächtigem Purpurkleide, der mit der Rechten energisch 
wie bestätigend auf den Papst hinweist. Auch hier ist durch die 
Schönheit der Anordnung und die Fülle lebensvoller Gestalten der 
Eindruck historischer Würde erreicht. In der Ausführung freilich 
herrscht wieder durchweg die Hand der Schüler. Als Sockelfiguren 
verwendete Rafael sinnreich eine Anzahl von Fürsten, die dem römischen 
Stühle sich geneigt erwiesen haben. Sie waren in Bronzefarbe von 
Giulio Romano ausgeführt, mussten aber später von Maratti vollständig 
übermalt werden. 
Ungleich höher steht die eigene Betheiligung Rafael's bei einem 
anderen Monumentalwerk, welches er im Auftrage des kunstsinnigen 
Banquiers Agostino Chigi in Sta. Maria della Pace ausführte. Es 
sind vier Sibyllen, mit welchen er den Raum über der ersten Arkade 
rechts geschmückt hat. (Fig. 73.) Rafael zeigt sich hier wieder als der 
grosse Meister der Raumausfüllung, denn er hat seine Sibyllen so ver- 
theilt, dass zwei sich an den Bogen anlehnen, zwei andere neben ihnen 
sitzend sich ihnen anschliessen, während zwei an den Seiten mit Schrift- 
rollen herabschwebende Engel in ungezwungener Weise den Raum 
ausfüllen. Ausserdem sieht man zwischen den Sibyllen köstliche Engel- 
knaben sich auf, Inschrifttafeln stützen, während auf der Höhe des
        

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