Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270740
und 
Alterthumsforschung 
Geschichtschreibung. 
wie Albertini, Pomponio Leto, Manetti, Andrea Fulvio, sammelten nicht 
bloss die antiken Denkmäler, sondern liessen ihnen auch eine wissen- 
schaftliche Behandlung angedeihen, die nicht geringen Einfluss auf die 
Entwicklung der Kunst gewinnen sollte. Nicht minder entscheidend 
war, dass der Geist des klassischen Alterthums auf die Geschicht- 
schreibung einwirkte und eine Reihe von grossen Historikern erzeugte, 
die nun nicht mehr in der wunderlich gemischten Vorstellungsweise 
des 15. Jahrhunderts Modernes und Antikes mit einander verquicken, 
Sondern zu klarer Objectivität in unbefangener Beobachtung und Dar- 
stellung der Weltbegebenheiten ihrer Zeit sich erheben. An der Spitze 
steht hier Niccolb Macchiavelli, der in seinen meisterhaften Betrach- 
tungen über die erste Dekade des Livius, in dem bedeutenden Werk 
über die Kriegskunst, in dem berühmten Buche über den Fürsten, 
sowie in seinen Gesandtschaftsberichten jenen grossen staatsmännischen 
Blick und den objektiven historischen Standpunkt offenbart, den er 
dann in seiner Horentinischen Geschichte späterhin so glänzend doku- 
mentiren sollte. Neben ihm ist Guicciardini zu nennen, ebenfalls ein 
Florentiner von angesehener Herkunft, ebenfalls Staatsmann, der in 
seiner Horentinischen Geschichte das Meisterwerk damaliger Historie- 
graphie geschaffen hat, durch Klarheit destÜrtheils, tiefes Verständniss 
der Menschen und der Dinge und durch klassische Objektivität der 
Darstellung hervorragend. Wenn er, gleich andern Historikern der 
Zeit, es für nöthig hielt, seine Darstellung nach dem Muster des Livius 
durch flngirte Reden aufzuputzen, so zahlt er damit den unvermeid- 
lichen Zoll an die vergötterten antiken Vorbilder. Auch Paolo Giovio 
gehört hieher, der freilich an Grösse des Sinnes jenen Beiden betracht- 
lich nachsteht, auch von der Anwendung der lateinischen Sprache sich 
nicht frei machen kann, immerhin aber durch die Genauigkeit seiner 
auf eignen Erlebnissen fussendcn Darstellung seinen eigenthümlichen 
Werth behauptet. 
Das Höchste aber unter den Schöpfungen dieser grossen Zeit 
sind die Werke der bildenden Künste. In dem Vielfaell Verwer- 
renen, widerspruchsvollen Wesen der Zeit gewähren sie den Eindruck 
einer gesammelten Kraft, Grösse und Schönheit, in der alle Elemente 
zu vollkommener Harmonie verschmelzen. Jetzt erst erreichen sie den 
Abschluss dessen, was seit drei Jahrhunderten sich in steter Bewegung 
vorbereitet hatte, jetzt erst streifen sie alles Kleine, Enge, Zufällige 
ab und schwingen sich zur Höhe klassischer Vollendung empor. Wenn 
in allen andern Geistesprodukten der Zeit eine einseitige Richtung zum
        

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