Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273832
Rafael 
und Archäolog. 
Architekt 
301 
nach seinen Angaben ausgeführt wurden. Dahin gehört der Palast des 
päpstlichen Kämmerers Branconio d'Aquila, bei welchemRafael durch 
Anwendung von Halbsäulen im Erdgeschoss, von Nischen mit Statuen 
und von kräftig mit Giebeln und Säulenstellung eingefassten Fenstern, 
sowie von Fruchtschnüren, Medaillons und Masken im Hauptgeschoss 
jene wirksameren malerischen Contraste in die Architektur einführte, 
welche damals auch in seinen Gemälden sich geltend machten. Auch 
'für Florenz war er als entwerfender Architekt thätig, da nach seinen 
Plänen dort der einfach stattliche PalazzoPandollini ausgeführt wurde. 
Hier schloss er sich in der kräftigen Rustika und den einfacheren 
Formen der strengeren Horentinischen Auffassung an. Ob Pal. Uguc- 
cioni in Florenz und Pal. Vidoni in Rom ihm ebenfalls zuzuschreiben 
sind, muss dahingestellt bleiben. Dagegen waren die Stallungen der 
Villa Farnesina und die schöne noch erhaltene Familienkapelle der 
Chigi in S. Maria del Popolo von Rafael entworfen. Auch für die 
Villa Madama wurden die ersten Pläne, die noch in den Uffizien auf- 
bewahrt werden, von Rafael geliefert. 
Noch weiter zog ihn der Papst in die umfassendsten Unter- 
nehmungen hinein, als er ihm durch ein Breve vom 27. August 1515 
die Aufsicht über alle Ausgrabungen in und_ bei Rom übertrug, mit 
der bestimmten Weisung, dass ihm von allen Ausgrabungen sofort 
Anzeige gemacht werde, damit er taugliche Marmorstücke und Steine 
für den St. Petersbau ankaufen und die Vernichtung antiker Inschriften 
oder Kunstdenkmale verhindern könne. Eine Denkschrift an den Papst 
über das Fortschreiten dieser grossartigen Unternehmung, die man 
zuerst dem Grafen Castiglione, später Rafael zuschrieb, scheint von 
einer anderen Hand herzurühren. Aber auch sonst erfahren wir, be- 
sonders durch Vasari's Zeugniss, mit welchem Eifer Rafael sich dem 
Studium der antiken Denkmäler widmete. Sagt er doch in einem 
Briefe an Castiglione, wo er den Bau von St. Peter erwähnt: „Ich 
wünsche, die schönen Formen der Antike zu finden, weiss aber nicht, 
ob es der Flug des Ikarus sein wird. Vitruv giebt mir einiges Licht, 
aber nicht so viel als hinlänglich ist." 
Immer mehr trat für die folgenden Jahre seine Gestalt in den 
Vordergrund, und so umfassend wie einst zu Perikles Zeiten Phidias 
die attische Kunst beherrscht hatte, so universell stand Rafael im Mittel- 
punkt des römischen Kunstlebens. Ja so mannichfaltig und vielseitig 
wurden seine Kräfte in Anspruch genommen, dass das in den letzten 
sieben Jahren seines kurzen Lebens Geschaifene die auf's Höchste
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.