Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273816
Siebentes 
Kapitel. 
Rafael 
unter 
Leo 
Mit dem Tode Julius des Zweiten am T11. März 1513 schloss eine 
wichtige Epoche nicht bloss für Rafael, sondern für das ganze römische 
Kunstleben. Jener gewaltige Papst hatte mit genialem Blick die be- 
deutendsten Künstler seiner Zeit herbeigerufen und ihnen die grössten 
Aufgaben gestellt. Was unter ihm geschaffen wurde, die Anfänge von 
St. Peter, die Decke der Sixtina, die beiden ersten Stanzen RafaePs, 
gehört zum Herrlichsten und Erhabensten unter den künstlerischen 
Besitzthümern der Menschheit. Nicht in gleichem Sinne förderte der 
noch junge Mediceer, der als Leo X. den päpstlichen Thron bestieg, 
die Kunst. Wohl brachte er von den Traditionen seines Hauses die 
Pflege der Wissenschaft, Literatur und Kunst mit; wohl blühten auch 
unter ihm am päpstlichen Hofe alle jene geistigen Interessen, in deren 
Pflege die Renaissancekultur gipfelt, und es konnte dem oberflächlichen 
Blick so scheinen, als ob jetzt erst das Augusteische Zeitalter für jene 
Epoche beginne. Aber in Wahrheit war es doch, anstatt des von hohen 
Planen und Zielen erftillten Julius, nur ein bequemer Genussmensch 
und Lebemann, der als lachender Erbe die Hinterlassenschaft einer 
grossen und stürmischen Vergangenheit antrat. In den Vergnügungen 
seines Hofes wechselten mit den edleren Genüssen der Poesie und der 
von Leo leidenschaftlich geliebten Musik derbe Spässe von Possen- 
reissern, Mummenschanz aller Art, Pferderennen und Stiergefechte, bei 
welchen, in acht römischer Weise, es dem Vergnügen keinen Eintrag 
that, wenn mehrere Menschen todt auf dem Platze blieben. 
Indess auch den bildenden Künsten war der lebenslustige Me- 
diceer zugethan, und wenn allerdings die grossen Arbeiten Bramantds 
und Michelangelds durch ihn eher durchkreuzt als gefördert wurden, 
so fiel dagegen auf Rafael der ungeminderte Glanz päpstlicher Huld. 
Von seinen Zuständen um diese Zeit erhalten wir die beste Anschauung 
aus einem Briefe, welchen er an seinen Oheim Ciarla am 1. Juli 1514 
schrieb. Die Verwandten daheim waren offenbar der Ansicht, dass es
        

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