Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273779
und 
Attila 
Leo 
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fürsten mit Schwertern in den Händen, den Eroberer zur Umkehr 
mahnend. Dieser, den die Krone auf dem Haupt kenntlich macht, 
richtet wie vor Entsetzen erstarrt, den Blick auf die wunderbare Er- 
scheinung und wendet sich mit beiden rückwärts geworfenen Armen 
instinktmässig zur Umkehr. Diese leidenschaftliche Bewegung erhält 
durch die Ruhe seines Schlachtrosses eine noch schärfere Betonung. 
Auf der anderen Seite sieht man den Papst in prachtvollen Pon- 
tiücalgewändern, mit der dreifachen Tiara gekrönt, auf seinem Zelter 
heranziehen, den ein nebenher schreitender Hellebardier am Zügel 
führt. Der Papst, der die Hand wie beschwörend emporstrcckt, trägt 
die weichlichen Züge Leo's X. Wir sehen also, dass inzwischen Julius H. 
gestorben und sein Nachfolger erwählt ist. Neben dem Papst und 
hinter ihm reiten zwei Kardinäle auf Maulthieren, während etwas tiefer 
im Hintergründe links drei weitere berittene Begleiter sich zeigen, 
von denen der eine ein grosses Pontificalkreuz trägt. Auch hier ist die 
Papstgruppe im Gegensatze zu der leidenschaftlichen Bewegung der 
Hunnen voll feierlicher Ruhe und von treßflicher Wirkung, obwohl sie 
diejenige im Heliodorbilde an grossartiger Würde nicht erreicht. Den 
Hintergrund bildet eine reiche Landschaft mit den weltbekannten Ruinen 
Roms, während rechts brennende Ortschaften den Weg des hunnischen 
Heeres bezeichnen. 
Merkwürdig ist nun ein Blatt in Oxford, welches die Kopie nach 
einem früheren Entwurf zu diesem Bilde enthält. Die Seite der Hunnen 
ist im Wesentlichen schon so, wie das Gemälde sie zeigt, nur dass in 
den Rüstungen der Krieger die antike Form vorwiegt. Auffallend aber 
ist, dass in der Papstgruppe noch nicht Leo X., sondern Julius H. 
erscheint, der wieder auf seinem Sessel getragen wird. Begreiflich, 
dass Rafael bei der Ausführung in der Gestalt Leo's X. dem neuen 
Papst Rechnung tragen musste; begreiflich aber auch, dass er die 
Gruppe zu einer Reitergruppe umschuf, denn er gewann dadurch ein 
neues Motiv und wirkte um so kräftiger durch den Gegensatz dieser 
sanft einherziehenden Cavalcade mit dem wilden Getümmel der hun- 
nischen Reiter. 
Aber es liegt uns ein noch früherer Entwurf für dieses Bild vor 
in] der herrlichen Sepiazeichnung des Louvre (Br. 235), welche mit 
Unrecht neuerdings dem Meister abgesprochen worden ist. Wer das 
Blatt jemals selbst gesehen und geprüft hat, wird die Hand und den 
Geist RafaePS darin nicht verkennen. Die Unterschiede der Composi- 
tion von der des ausgeführten Bildes sind so gross und zeugen von so
        

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