Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273655
Porträt 
J Lüius I_I. 
Fornarina. 
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der Echtheit. Während das Bild in der Tribuna der Uffizien, soweit 
es nicht durch Restauration gelitten hat, von einer bis in's Kleinste 
eindringenden Vollendung zeugt, besticht das in der Galerie Pitti be- 
findliche Exemplar durch die leuchtend klare Farbe und die virtuosen- 
haft freie Behandlung, so dass eine Anzahl bedeutender Stimmen ihm 
den Preis zuerkennen. Doch scheint grade in dieser koloristischen 
Behandlung, so vorzüglich sie ist, sich ein fremdes, mehr der venezia- 
nischen Kunst zugchörendes Element zu verrathen. Ausserdem ist 
beachtenswerth, dass das Bild in der Tribuna von den Rovere her- 
stammt, von welchen es durch Erbschaft in den grossherzoglichen Be- 
sitz nach Florenz gelangte. Die noch immer schwankenden Urtheile 
der.angesehensten Kenner über diese beiden Bilder sind geeignet, dem 
Kunstkritiker die stolze Selbstgewissheit zu vcrleiden und ihn zu be- 
scheidener Zurückhaltung zu veranlassen. 
In diese erste römische Zeit gehört sodann ohne Zweifel das 
weibliche Bildniss der Galerie Barberini in Rom, welches als „Forna- 
rina" seit langer Zeit bekannt ist und als Porträt der Geliebten RafaeYs 
gilt. Wir wissen durch Vasari, dass der grosse Meister in Rom ein 
Mädchen liebte, welches sich ihm zu eigen gab und bis an seinen Tod 
in seinem Hause lebte. Der Name Fornarina und alle Legenden, die_ 
sich an die Gestalt dieser angeblichen schönen Bäckerin knüpfen, sind 
Erfindungen des vorigen Jahrhunderts ohne alle historische Beglaubi- 
gung. Was nun das Porträt der Galerie Barberini betrifft, so hat es 
einigen Anspruch darauf, für die Geliebte RafaePs zu gelten. Auf dem 
goldenen Armbande liest man den Namen des Meisters, der dadurch 
Wohl sein intimes Verhältniss zu der Trägerin desselben andeuten 
wollte. Sie selbst ist eine der mächtigen plastischen Gestalten römischer 
Frauenwelt, deren Büste der Künstler untrerhüllt gemalt hat, nur den 
Schooss bedeckt über einem rothen Kleid ein leichter Schleier, den 
sie mit der Rechten heraufzieht, Während die Linke im Schoosse ruht. 
Der koloristische Gegensatz des glühend gemalten Fleisches mit dem 
Lorbeergebüsch, von welchem sie sich abhebt, ist von schöner Wirkung. 
Uebrigens zeigt das Gesicht mit seinen vollen derben Formen einen 
mehr sinnlichen als geistigen Reiz. In dieselbe Zeit gehört auch das 
Brustbild des Bindo Altoviti in der Pinakothek zu München, eine 
poetische Jünglingsgestalt, die man wiederholt mit Unrecht für Rafael 
selbst ausgegeben hat. Das Gemälde hat leider durch Uebermalungen 
stark gelitten. Etwas früher endlich ist ein männliches Porträt von 
würdigem_geistvollem Ausdruck in der Ermitage zu Petersburg. 
Liihkc. Italien. Itlnlerci. II. 19
        

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