Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270712
Buch. 
Kapitel  
Kultur 
ital. 
Hochrenaissance. 
durfte, wenn er ein wahrhaftes Bild der Epoche zeichnen sollte. Aber 
wo so viel tiefer Schatten, da ist in der Regel auch glänzendes Lieht 
zu vermuthen, und in der That, an solchen Lichtseiten fehlt es dem 
Wunderbar reichen Bilde jener Kultur keineswegs. Wir dürfen zu- 
nächst nicht vergessen, dass neben jenem frivolen Treiben, welches 
besonders in der Sittenlosigkeit des Klerus gipfelte, eine Reihe ernster, 
hochsinniger Männer und Frauen vorhanden war, in welchen die rein 
geistige Richtung der platonischen Akademie, manchmal in eigenthüm- 
licher Vermischung mit christlichen Anschauungen, das ganze Leben 
beherrscht. Wenn Michelangelo uns auch nicht als einer der grössten 
Künstler dastande, wir würden ihn schon wegen seiner Lauterkeit und 
Charaktergrösse, wegen der reinen Flamme, die in seinen Gedichten 
wie ein heiliges Feuer lodert, verehren. In diesen poetischen Ergüssen 
strömt eine machtvolle, mit Energie nach dem Höchsten ringende 
Persönlichkeit ihr Innerstes aus; sie enthalten das Glaubensbekenntniss 
des Meisters, geben in männlicher Kraft und herber gedankenvoller 
Sprache Zeugniss von den Entwicklungen seines Geistes. Die glühende 
Eingebung an die Welt des klassischen Alterthums umfasst bei ihm 
nicht bloss die Schönheit der antiken Kunstwerke, sondern fast mehr 
noch die Gedankentiefe der platonischen Akademie, der er in jungen 
Jahren zu Florenz nahe gestanden. Das sind die Ideale seiner Jugend, 
mit denen sich bald sehnsuchtsvolle Anrufungen der Geliebten mischen. 
Aber inmitten einer frivolen Zeit und eines zügellosen Lebens steht 
seine Liebesempfindung bei dem tief ethischen Kern seiner Natur 
rein und lauter da. Das Bild der Geliebten verschmilzt sich ihm mit 
dem der Kunst; es wird ihm vollends zur Idee, die sein künstlerisches 
Schaffen beseelt. 
Als mir dein Augenstern zuerst erglilhte, 
Da war's kein irdisch Licht, das mich getroffen, 
Schon sah mein Geist entzückt den Himmel offen, 
Ein vewÄger Friede zog in mein Gemüthe. 
Denn nimmer stillt mein Herz der Anmuth Blüthe, 
Erzeugt aus dieser Erde niedern Stoffen; 
Der Schönheit Ursprung ist sein Ziel und Hoffen, 
Es fliegt der ew'gen Schönheit zu und Güte. 
Aber die ideale, am Platonismus genährte Glut seiner Mannesgjahre 
wendet sich mit zunehmendem Alter, nicht ohne den umbildenden 
Einfluss seiner hochsinnigen Freundin, immer mehr der christlichen
        

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