Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273584
282 
Buch. 
Kapitel. 
unter 
Rafael 
Julius 
schreiber des Papstes ausgeführt. Ursprünglich auf dem Hauptaltar 
von Araceli, wurde das Bild im Jahre" 1565 nach Fuligno in die Kirche 
des Klosters delle Contesse übertragen, 1798 durch die Franzosen nach 
Paris entführt, endlich 1815 zurückgegeben und in der Galerie des 
Vatikan aufgestellt. (Fig. 64.) Maria ist auf Wolken thronend und 
von einem Kranz von Cherubim umgeben dargestellt. Sie unterstützt 
mit der Linken das in lebhafter Bewegung von ihrem Schoosse herab- 
schreitende Christuskind, das sie ausserdem mit ihrer Rechten an einem 
Bande halt. Die herrlichen Gegensätze in den Bewegungen der beiden 
Figuren zeugen in ihrem köstlichen Linienspiel von der höchsten künst- 
lerischen Freiheit. Unten steht zur Rechten der Madonna Johannes 
der 'l'aufer, eine fast ekstatische Wüstengestalt, in das härene Gewand 
gehüllt und mit der Rechten hinaufdeutend zu der himmlischen Er- 
scheinung. Vor ihm kniet mit Inbrunst aufblickend der h. Franziskus, 
in der Linken das Kreuz haltend und die Rechte mit dem Wundmal 
ausstreckend. Ihm gegenüber auf der andern Seite kniet mit dem 
Ausdruck der Frömmigkeit die redliche Gestalt des Stifters, von dem 
hinter ihm stehenden ehrwürdigen Hieronymus der Madonna empfohlen. 
Neben dem Stifter wird der Löwe des Heiligen sichtbar. Beide Grup- 
pen werden durch einen entzückenden, Engelknaben verbunden, der 
zwischen ihnen stehend und in beiden Händen eine Tafel haltend, auf- 
wärts blickt. Den Hintergrund bildet eine Hügellandschaft mit einer 
Stadt, auf welche eine Bombe niederfallt, während darüber ein Regen- 
bogen sich ausspannt. Man bezieht dies auf eine Belagerung von Fu- 
ligno, der Vaterstadt des Stifters. Das YVerk zeigt Rafael zum ersten 
Mal auch in dem gross aufgebauten Andachtsbild als Meister der voll- 
endet freien Kunst; in dem Adel, der einfachen Feierlichkeit und der 
rhythmischen Lebendigkeit der Composition erkennt man den Einfluss 
des monumentalen Stiles, in der gediegenen Farbenbehandlung, die mit 
ihren feinen Tönen bei grosser Kraft der Durchbildung sich zu voller 
Harmonie entwickelt, bewundert man nicht minder die volle Höhe 
des Meisters. 
Von gleicher Herrlichkeit ist ein anderes ungefähr gleichzeitig 
entstandenes Altarwerk, die jetzt im Museum zu Madrid befindliche 
nMadonna, del Pesee". (Fig. 65.) Man sieht die Madonna auf einem 
wenig erhöhten Throne vor einem Vorhang sitzen, der als Wirksamer 
Hintergrund für die Gestalt dient. Sie wendet ihren Blick huldvoll 
auf den jungen Tobias, der mit dem Fische naht und von dem Erz- 
engel Rafael zart herangeführt und empfohlen wird. Auch das Christus-
        

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