Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273549
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Buch. 
Kapitel. 
Rafael unter 
J ulius 
Die Composition des Bildes würde schöner sein ohne die letztere Figur, 
welche die Linien des Aufbaues etwas beeinträchtigt; die Stimmung 
ist weniger innig religiös als in dem vorigen Werke, aber von um so 
grösserer Lebendigkeit. 
 In diese Reihe gehört sodann das grössere Rundbild der „Mad0nna 
d'Alba", ehemals angeblich in einer Kirche zu Nocera, später beim 
Herzog von Alba in Madrid, jetzt in der Ermitage zu Petersburg. 
Das Bild erinnert durch seine Medaillonform, sowie durch den noch 
zierlich detaillirenden Charakter der Behandlung an die Horentiner 
Arbeiten. Die Madonna sitzt in einer anmuthigen Hügellandschaft und 
halt das halb schreitende Kind auf ihrem Schoosse, welches von dem 
daneben in Verehrung knieenden Johannesknaben das Kreuz empfängt. 
Die Hutter umfasst etwas vorgebeugt den kleinen Johannes an der 
Schulter, um ihn liebevoll heranzuziehen und schaut mit inniger Freude 
dem holden Spiele zu. Das Gebetbuch, das sie in der Linken halb 
geschlossen hält, ist wieder eins jener früheren Motive, zu Welchen der 
Künstler hier zurückgegriffen hat. Der Karton zu diesem schönen 
Bilde befindet sich zu Rom in S. Giovanni in Laterano, die köstlichen, 
in Rothstift ausgeführten Studien in der Sammlung zu Lille (Br. 89, 90). 
Auf einem dieser Blätter befindet sich zugleich die Studie für 
die „Madonna della Sediaa, wiederum ein Rundbild, welches in Voll- 
 kommenheit des linearen Aufbaues und Geschlossenheit der Composition, 
in reiner Anmuth und Adel des Ausdrucks zu den herrlichsten Schöpfun- 
gen RafaePs gehört. Wer kennt nicht diese köstliche junge Römerin 
mit dem reinen Oval und dem edlen Ausdruck, die das Kind auf ihrem 
Schoosse hält und mit beiden Händen innig an sich presst, während 
sie mit dem sanft geneigten Kopfe das Gesichtchen des Kleinen be- 
rührt. Sinnig blickt dabei die Madonna den Beschauer an, als Wolle 
sie ihn zum Zeugen des Mutterglücks aufrufen, Während der Kleine 
mit ungewöhnlichem Ernst ebenfalls hinausblickt. Die innige Em- 
pfindung in dem kleinen Johannes, der sich mit gefalteten Händen 
herandrängt und auf's Glücklichste den Raum füllen hilft, verstärkt 
den weihevollen Eindruck dieses schönen Bildes. Ein gestreiftes Tuch, 
welches turbanartig den Kopf der Madonna einhüllt und ein acht rö- 
mischer in buntem Muster gewirkter, mit Franzen besetzter Üeberwurf, 
der Rücken und Schultern bedeckt, erinnert an die Frauengestalten 
aus dem römischen Volke und zeigt, wie Rafael die Wirklichkeit zur 
höchsten Idealität zu erheben wusste. Die malerische Behandlung des 
jetzt in der Galerie Pitti befindlichen Werkes ist mit ihren klaren
        

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