Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273536
hladolmnen 
dieser 
Zeit. 
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welcher dieser verlangend die Linke ailsstreckt. Mit inniger Zärtlich- 
keit umfasst die Madonna den Kleinen, auf den sie herzlich niederblickt. 
Der Reiz des Bildes liegt nicht bloss in den feinen Formen und dem 
zarten Ausdruck, sondern namentlich auch in dem schönen pyramidalen 
Aufbau. Man sieht, dass Rafael noch eine Zeit lang die linearen Pro- 
bleme der Composition verfolgt, welche ihn in Florenz unter dem Ein- 
Huss Fra Bartolommeds so lange beschäftigt hatten. Freier bewegt 
er sich bereits in der köstlichen „Vierge au Diaderne", im Louvre, 
die sich ebenfalls in Form und Empfindung den florentiner Bildern 
noch nahe anschliesst, nicht minder im zarten Hauch der goldig klaren 
Färbung. In einer mit römischen Ruinen reich ausgestatteten Land- 
schaft sieht man das Christuskind links im Vordergrunde auf Kissen 
ausgestreckt schlafen, das linke Händchen in den Schooss, das rechte 
über den Kopf gelegt. Man kann die himmlische Unschuld des Kinder- 
schlafs nicht schöner schildern. Die Mutter kniet rechts vor dem Kinde 
und hält liebevoll mit der Linken den kleinen Johannes umfasst, der 
neben ihr kniet, mit dem Ausdruck kindlichen Entzückens den kleinen 
Schläfer betrachtet und ihn mit gefalteten Händen verehrt, während 
die Mutter den Schleier über dem Kopf des Kleinen emporhebt und 
selbst in seinen Anblick versunken ist. Der Kopf der Madonna, einer 
der schönsten, die Rafael je gemalt, erhält durch das Diadem und den 
Schleier eine Erinnerung an die Himmelskönigin. Die zarte Ausführung 
des Bildes erinnert noch an die florentinische Epoche, der kühlere 
Farbenton scheint durch Verputzen der Lasuren entstanden. Der Reich- 
thum von antiken Trümmern, mit welchen die Landschaft ausgestattet 
ist, deutet unverkennbar auf die erste römische Zeit und auf den 
mächtigen Eindruck, welchen die neue Umgebung auf Rafael machen 
musste.   
Eine verwandte Composition bietet das im Auftrage Julius II. 
für Sta. Maria del popolo gemalte Bild dar, welches im Jahre 1717 
durch Schenkung an die Kirche von Loreto kam und seitdem als 
„Madonna di Loreto" bekannt ist. In der französischen Zeit spurlos 
verschwunden, ist das Bild bis auf den heutigen Tag nicht nachzuweisen, 
obwohl die meisten der alten Kopieen, deren grosse Zahl das hohe 
Ansehen des Werkes bezeugen, sich als Original ausgeben möchten. 
Auch hier hat die Madonna von dem vor ihr auf einem Kissen liegen- 
den Kinde den Schleier gehoben, aber der Kleine ist erwacht und 
streckt lebhaft die beiden Händchen der Mutter entgegen, während der 
auf den Stab gestützte Joseph über die Schulter der Madonna zuschaut.
        

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