Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273514
der 
Deckenbilder 
della 
Segnatura. 
215 
Knaben neben ihr halten Tafeln mit der Inschrift: Divinarum rerum 
notitia, „die Erkenntniss der göttlichen Dinge". Ein energischeres 
Wesen zeigt die Gestalt der Philosophie, deren Gewand mit Sternen, 
Meerthieren und Blumen idurchwirkt und vierfarbig gestreift ist, um 
dadurch die vier Elemente auszudrücken. In den Händen halt sie_ zwei 
Bücher mit der Aufschrift moralis und naturalis, und die Seitenlehnen 
ihres Thrones sind mit der phantastischen Gestalt der hundertbrüstigen 
Artemis von Ephesus geschmückt. Die ihr beigegebenen Knaben tragen 
auf ihren Tafeln die Inschrift Causarum cognitio, die Erkenntniss der 
Ursachen. Die Häufung der Embleme und Attribute wirkt etwas un- 
ruhig zerstreuend, die ganze Figur hat fast etwas handwerklich Derbes, 
der Kopf aber mit dem ernsten Glühen der schönen Augen entspricht 
sehr wohl dem Begriff wissenschaftlicher Forschung. Endlich folgt die 
J ustitia , die mit ihrer Waage und dem in der Rechten geschwungenen 
Schwerte, sowie der etwas geneigten Haltung des mit dem Diadem 
geschmückten Kopfes ein strenges hoheitvolles Wesen, an den Engel 
des Gerichtes mahnend, ausdrückt. Um diesen Ernst zu mildern, fügte 
Rafael ihr vier herrliche Genien bei, deren Tafeln die Inschrift tragen: 
Jus suum unicuique tribuit, d. h. Jedem theilt sie sein Recht zu. 
Mit diesen Gestalten ist der Kreis der Deckenbilder noch nicht 
erschöpft. In den unteren Zwickelilächen brachte Rafael vier kleinere 
Bilder an, welche den hier durchgeführten Gedanken weiter erläutern. 
Zuerst sehen wir den Sündenfall, eine der schönsten und einfachsten 
Compositionen. Er gehört zur Darstellung der Theologie, da das 
Erlöslingswerk erst an ihn anknüpft. Nicht minder geistvoll ist die 
Krönung Apolls und Bestrafung des Marsyas dem Bilde der Poesie 
beigegeben. Als Akt der Gerechtigkeit tritt Salomon's Urtheil ein, 
ebenfalls eine Composition von vollendeter Schönheit. Für die Philo- 
sophie hat Rafael dagegen sich mit einer allegorischen Figur der 
Astronomie begnügt. Mit den beigegebenen beiden Genien entspricht 
sie mehr dem Charakter der Rundbilder als dem der übrigen Dar- 
Stellungen. 
Von den Entwürfen zu diesen Bildern erwähnen wir für die 
Poesie eine herrliche Kreidezeichnung in Windsor (Nr. 3), für einen 
der Genien bei der Theologie ein Blatt in Lille (Br. 96), zum Adam 
im Sündenfall eine Studie im Louvre (Br. 267), welche die Figur nicht 
weniger als fünf Mal wiederholt, zum Urtheil Salomon's einen Entwurf 
in Oxford und für eine der Mütter eine Studie in der Albertina (Br. 138), 
die ausserdem auf der Rückseite den Entwurf zur Astronomie trägt.
        

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