Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273332
Disputä. 
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von dem Ausdruck gespannten Studiums. Zu seinen Füssen neben 
dem Löwen liegen zwei Bücher, in denen man die Üebersetzung der 
Bibel und seine Briefe zu erkennen hat. Eine ehrwürdige Priester- 
gestalt, vielleicht der h. Bernhard, weist mit beiden ausgestreckten 
Händen auf die Monstranz hin und wendet sich zu dem Brütenden, 
als wolle er sagen: Lass das Grübeln und Forschen, hier ist das 
wahre Heil. 
Auf der andern Seite des Altars sieht man den h. Ambrosius im 
bischöflichen Gewande, der mit dem Ausdruck entzückten Staunens 
gen Himmel blickt, als 0b er, von den Chören der Seeligen ergriffen, 
eben die Inspiration zu seinem berühmten Lobgesang empfinge. Neben 
ihm sitzt die grossartige Gestalt des von ihm bekehrten h. Augustinus, 
der sich mit lebhafter Geberde gegen einen zu seinen Füssen knieenden 
Jüngling wendet, welcher eifrig die von dem Heiligen diktirten Worte 
niederschreibt. Gegen den Altar hin wird diese Gruppe ebenfalls 
durch eine imposante Priestergestalt abgeschlossen, die mit erhobener 
Rechten nach oben deutet und einen prächtigen Gegensatz zu der 
gegenüber befindlichen Figur bildet. Man glaubt in ihm Petrus Lom- 
bardus, den Begründer der scholastischen Theologie, zu erkennen. 
Schon in diesen Gruppen ist der Reichthum der Charakteristik und 
die Fülle des Lebens, welche die Strenge des symmetrischen Aufbaues 
in freie Schönheit auflöst, bewundernswerth. Hinter dem sitzenden 
Schreiber sieht man den in einem Buche lesenden h. Bonaventura im 
Kardinalkostüm und neben diesem den Papst Anaklet mit der Palme 
des Martyrers, sodann neben diesem einen Möneh, der diese mittlere 
Gruppe abschliesst. 
Alle diese Figuren sitzen und stehen auf der obersten und mitt- 
leren Altarstufe. Nun folgt eine weiter unten im Vordergrund ange- 
brachte Gruppe, als deren Führer gleichsam die mächtige Gestalt 
Innocenz des Dritten mit der päpstlichen Tiara und der prachtvollen 
Dalmatica hervorragt. Im Profil dargestellt mit vortretendem linken 
Fusse bildet er einen Hauptpfeiler der Composition und gliedert die- 
selbe in nachdrücklicher Weise. Der energische Profilkopf blickt auf- 
wärts nach der Monstranz, und die rechte Hand begleitet ausdrucks- 
voll die Bewegung, während er mit der Linken ein Buch, in welchem 
wir seine Schrift über die h. Messe erkennen, gegen den Schenkel 
stemmt. Den Hintergrund füllt, eine Anzahl andächtiger Laien, unter 
welchen man das lorbeergekrönte Haupt Dante's und weiter zurück 
den energischen Kopf Savonarola's erkennt. Ganz im Vordergrunde
        

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