Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270684
Literatur. 
Lustspiel._ 
Das 
lich auf diesem Gebiete zu ergehen. So entstand Macchiavellfs 
„Mandragola", eine mit atzender Scharfe die Laster der Zeit, die 
Ruchlosigkeit der höheren Stände, die sittliche Verwilderung des Fa- 
milienlebens aufdeckende Komödie. Besteht doch einer der bezeichl 
nendsten Züge darin, dass es ein Geistlicher ist, der mit seinen Sophis- 
men eine tugendhafte Frau zur Sünde verleitet und zwar um schnödes 
Gold, einem Liebhaber zu gefallen. Gleichwohl darf man nicht wähnen, 
solche Schilderungen seien von den damaligen Zuhörern im Sinne 
einer moralischen Strafpredigt hingenommen worden. Vielmehr ist 
unverkennbar, dass die Komödiendichter in Ausmalung der Unzucht 
wetteiferten, und damit dem allgemeinen Geschmack entgegen kamen. 
Solcher Art ist die „Cliziaa MacchiavelPs, wo die Figur des schamlos 
verliebten Alten im Mittelpunkt steht, und die unsaubere Komik im 
zweiten Aufzug des fünften Akts, in der Erzählung von der Bestrafung 
desselben, ihren Höhepunkt erreicht. Selbst ein Ariost mit seiner 
„Lena" opfert dieser Geschmacksrichtung, die bis auf Lodovico Dolce's 
nRagazzo", Cecchfs „Assiuoloa und Aretino's Komödien in zahlreicher 
Nachfolge auf dem einmal eingeschlagenen Wege beharrt. Die ge- 
sammte italienische Komödie jener Zeit gefällt sich bei einem lediglich 
äusseren Streben im Gebiete des Possenhaften, Burlesken und Lasciven. 
Sie nimmt keinen Anlauf zu tieferer psychologischer Entwicklung, 
schildert keine Gemüthsconflikte und dreht sich stets um den einen 
Punkt derb sinnlicher Liebe. Ebenso wenig _fasst sie das Element 
einer feineren Charakteristik in's Auge, vielmehr giebt sie statt der 
Charaktere leere Masken, conventionclle Typen des angeführten Ehe- 
manns, des verliebten Alten, des buhlerischen Wcibes, der Kupplerin, 
des heuchlerischen Mönches. Üeberall nur der Sinn für äusserliches 
Geschehen, für die derb komischen Verwicklungen possenhafter Intri- 
guen. Man hat wohl die Ansicht ausgesprochen, dass eine höhere 
Entfaltung des italienischen Dramas durch die höiische Pracht der 
Ausstattung mit Dekorationen, Musik und Ballet im Keime erstickt 
worden sei. Richtiger wird man auch diese wohl auf dieselbe Quelle 
zurückführen müssen, auf den überwiegenden Hang zur Aeusserlichkeit, 
die Abneigung gegen gedankliche Vertiefung, welche einer überwie- 
gend sinnlichen Nation im Blute steckt und durch die Kultur der 
Renaissance noch gesteigert wurde. Denn was im 15. Jahrhundert, 
in der Jugendzeit des Humanismus, Ziel des begeisterten Studiums 
unter opferfreudiger Hingabe aller Kräfte gewesen war, das wurde 
jetzt der neuen Generation ein Gegenstand leichten Spieles, sybari-
        

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