Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273183
248 
Buch. 
Kapitel. 
BafaeFs 
Jugend. 
setzen sein, das wohl sicher als eigenhändig anzuerkennen ist, obwohl 
es so sehr gelitten, dass ein bestimmtes Urtheil kaum noch möglich 
scheint. Es giebt uns aber eine lebendige Vorstellung von dem seelen- 
vollen Zauber, der diesen anmuthigen Jünglingskopf verklärt. (Fig. 57). 
Dagegen muss das Brustbild der Maddalena Doni in der Tribuna der 
Üffizien als ein Hauptwerk und Wahrscheinlich als das früheste seiner 
uns bekannten Porträts gelten. Es erscheint von einer zarten Anmuth 
und hat in Auffassung und Behandlung noch einen umbrischen Anklang, 
wie es denn in dieser Hinsicht an das Selbstporträt Perugino's erinnert. 
Die schlichte Treue der Auffassung, die Feinheit der Durchführung 
entsprechen dem florentinischen Lebensgefühl. Dieselbe Dame und 
ihren Gemahl Angelo Doni finden wir dann in den bekannten Porträts 
der Galerie Pitti, und zwar von solcher Vornehmheit der Auffassung, 
dass hier schon der Abschluss der Horentinischen Zeit vorliegt. In 
dem männlichen Bildniss hat die Anordnung der Hände noch etwas 
Gezwungenes, aber der Kopf ist von unvergleichlicher Wärme der 
Auffassung und von einer Macht der tiefbräunlichen Karnation, die an 
Werke Franciafs erinnert. Dass Rafael auf einem Ausiiuge nach B0- 
logna damals diesen edlen Meister kennen gelernt hat, leidet keinen 
Zweifel. Noch etwas strenger, selbst nicht ohne einen Anldug von 
hausbackenem Wesen und doch durch die schlichte Treue der Auf- 
fassung und die wunderbare an Lionardo erinnernde Durchbildung von 
fesselndem Reiz ist das weibliche Bildniss. An das Porträt der Mona 
Lisa gemahnt in der That die Haltung und die Anordnung der Hände, 
aber der kühle fast nüchterne Ausdruck des Kopfes, dessen Typus an 
die damaligen Madonnen Rafael's erinnert, hat nichts von der verführe- 
rischen Süssigkeit und dem gesteigerten Wesen lionarddscher Frauen- 
köpfe. Eine zierliche Landschaft bildet bei beiden Porträts den Hinter- 
grund. Auch das Frauenporträt der Galerie Pitti Nr. 229, Welches 
unter dem Namen der „Donna gravida" bekannt ist, verräth in Haltung 
und Durchführung soviel Verwandtschaft mit der Maddalena Doni, dass 
an RafaePs Urheberschaft wohl nicht zu zweifeln ist. Aus verwandter 
künstlerischer Stimmung ist die köstliche Federzeichnung im Louvre 
(Br. 255) hervorgegangen, welche in Haltung und Auffassung wiederum 
den Einfluss der Mona Lisa verräth. Endlich gehören die beiden aus- 
drucksvollen Mönchsbildnisse in der Akademie zu Florenz ohne Zweifel 
seiner ersten florentinischen Zeit an. 
Neben allen diesen einfacheren Werken sollte Rafael nun noch 
vor seinem Abgange nach Rom auch im feierlich aufgebauten Altar-
        

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