Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1273014
zu Blenheim. 
Ansidei 
Madonna 
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Engel in kurzen Röckchen, auf kleinen Wölkchen balancirend, füllen 
die Ecken des Bogens. YVeiter unten sieht man zu beiden Seiten, 
ebenfalls auf Wolken thronend, je drei herrliche Gestalten von Heiligen, 
wie in tiefes Sinnen über das Dogma der Dreieinigkeit versenkt. Un- 
verkennbar hat Rafael hier den Einiluss des Jüngsten Gerichtes von 
Fra Bartolommeo erfahren, seine Composition ist gleichsam ein Auszug 
jenes Bildes in Sta. Maria nuova (S. 157); den edlen Aufbau, die per- 
spektivische Anordnung im Raum, das Componiren nach grossen, rhyth- 
misch bewegten Massen hat er vom Frate gelernt. Im Einzelnen em- 
pfindet man hie und da noch einen Nachklang der umbrischen Kunst, 
aber in der klaren Grösse des Faltenwurfs, in der volleren Charak- 
teristik der Gestalten, kurz, in Allem, Worin sich die Selbständigkeit 
Rafaels kundgiebt, merkt man den wunderbaren, alles verklärenden 
Schönheitssinn des jungen Meisters. Wie dies Bild der Keim ist, aus 
welchem sich die Disputa entwickeln sollte, werden wir später sehen. 
Das Werk hatte leider schon früh starke Beschädigungen und Üeber- 
malungen erlitten, namentlich war die Gestalt Gottvaters völlig ver- 
schwunden. Neuerdings ist es vollständig übermalt worden. Die unten 
jederseits stehenden drei Heiligen sind ein schwacher Zusatz Peru- 
g1no's. 
YVie sich damals in RafaePs künstlerischer Entwicklung umbrische 
und florentinische Einflüsse kreuzten und mischten, erkennt man auch 
aus den übrigen Schöpfungen jener Zeit. S0 zunächst aus der für die 
Servi zu Perugia gemalten, jetzt zu Blenheim beündlichen thronenden 
Madonna, nach der Stifterfamilie die Madonna Ansidei genannt. In 
einer einfachen Bogenhalle ist ein mit Pilastern eingefasster Renaissance- 
thron aufgeschlagen, auf welchem die Madonna mit dem Kinde auf dem 
Schoosse sitzt. Sie hält in der Linken das Gebetbueh, auf welches 
sie sinnend niederblickt, während das Christuskind in ruhiger Haltung 
ebenfalls darin lesen zu wollen scheint. Neben dem Throne steht 
rechts, gleichfalls in einem Buche lesend, der h. Nicolaus, eine feier- 
liche Gestalt in grossartig drapirtem Bischofsmantel, eine äeht floren- 
tinische Inspiration, links Johannes d. T. in seinem härenen Gewande, 
über welchesein Mantel geworfen ist. Seine Stellung mit stark vor- 
geschobenem rechten Fuss, während das linke Bein als Standbein be- 
handelt ist, erinnert ebenso wie sein inniger Auiblick zur Madonna an 
Gestalten Perugino's, wie denn unverkennbar die Composition Anklänge 
an die thronende Madonna dieses Meisters im Vatikan enthält. Auch 
die schöne Altartafel Spagneüs aus S. Girolamo zu Perugia, jetzt in
        

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