Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1270152
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1272998
Fresko in 
Perugia. 
Severo 
229 
Museum zu Berlin. Schon die Form des Rundbildes, welche er hier 
gewählt, ist eine in Florenz herkömmliche und beliebte. Die Com- 
position freilich ist acht rafaelisch. Man sieht in einer reizenden La11d- 
schaft mit waldigen Felsgriinden, an deren Abhängen links eine Stadt 
mit Mauern, Thürmen und Kirchen sich gebettet hat, die h. Jungfrau 
sitzen, liebevoll auf das Kind niederblickend, das sie auf dem Schoosse 
halt. Der Kleine liegt behaglich ausgestreckt und richtet sich halb 
auf, um ein Spruchband mit dem „ecce agnus deia in Empfang zu 
nehmen, welches der Johannesknabe ihm in inniger Verehrung dar- 
gereicht hat. Die Linke streckt die Madonna, wie sanft abwehrend, 
gegen einen dritten Kleinen aus, der an ihr linkes Knie sich schmiegt 
und mit ernster Aufmerksamkeit die Gruppe betrachtet. Vielleicht ist 
hier der jugendliche Evangelist Johannes gemeint. Diese, jedenfalls 
etwas rathselhafte Figur, die dem pyramidalen Aufbau der Gruppe 
etwas locker angefügt ist, macht den Eindruck eines nachträglichen 
Zusatzes, der zu Gunsten einer besseren Ausfüllung des Raumes vor- 
genommen wurde. Das Bild ist daher in der Reihe der damaligen 
Schöpfungen RafaePs schon deshalb von besonderem Werthe, Weil es 
einen merkwürdigen Beleg von den rastlosen Bemühungen des Künstlers 
giebt, im Anschluss an die Vorbilder Lionardds und Fra Bartolommeois 
sich in der freien Durchbildung pyramidal aufgebauter Gruppen zu 
üben. Dazu kommt, dass das Bild einen tieferen Farbenton hat als 
die meisten andren Schöpfungen aus Rafaefs florentiner Zeit. Es 
erinnert in der dunklen, meisterlich durchgeführten Karnation, in der 
Art seiner Modellirung an Lionardds Werke. Auch das liebliche 
Oval des Kopfes der Madonna mit den vollen, um den Mund etwas 
feisten, höchst individuellen Formen gemahnt an die Schöpfungen jenes 
Meisters, ja die Madonna erscheint fast wie eine Schwester der Mona 
Lisa. Das schöne Werk, das durch die meisterlich ausgebildete Land- 
schaft den Zauber idyllischen Friedens erhält, dürfte gegen 1505 ent- 
standen sein. Eine ungemein geistreich mit der Feder hingeworfene 
Skizze, im Museum zu Lille (Br. 46) enthält die Hauptfigur der Madonna 
mit dem Kinde und dem kleinen Johannes. Der andere Knabe fehlt, 
dagegen sind ein Engel und ein betender Heiliger hinzugefügt. Viel- 
leicht ist auch das kleine Porträt eines jungen. Mannes, aus der Casa 
Riccio in Florenz, jetzt in der Pinakothek zu München, ein Werk 
dieser Epoche, wenn es wirklich von Rafael herrührt. Die gar zu klein- 
liche Zeichnung, die besonders in dem Munde etwas Mühsames hat, 
sowie eine gewisse Trockenheit des Ausdrucks, lassen es indess als
        

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